Unternehmensgeschichte der Brauerei "Zum hölzernen Steeg"
 
unter der Führung von Laurenz Schmitz, Heinrich Hummelsheim, Arnold Rütger Laurenz, Joseph Simons und Christian Joseph Wallraff
 
 
 
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Unternehmensgeschichte
Die Entstehung der Brauerei „Zum hölzernen Steeg"                              
Die Brauerei unter Laurenz Schmitz ((1797)-1831)
Die Brauerei unter Heinrich Hummelsheim (1831-183?)
Die Brauerei unter Arnold Rütger Laurentz ((183?)-1849)
Die Brauerei unter Joseph Simons (1849-1863)
Die Brauerei unter Christian Joseph Wallraff (1863-1865)
Die Brauerei unter Joseph Simons, Teil II (1866-1868)
Die weitere Nutzung als Restauration (1868-1890)
Übersicht der Firmierungen
Quellen
Quellenverzeichnis                                             

Die Entstehung der Brauerei „Zum hölzernen Steeg"
Die Brauerei „Zum hölzernen Steeg“ ist nicht sehr bekannt, obwohl sie nachweislich eine der ältesten nachweisbaren Kölner Brauereien war. Die erste bekannte Nennung der Brauerei stammt aus einem Erlaß des Kölner Magistrats aus dem Jahr 1412, in dem die zu dieser Zeit existierenden 21 Brauereien der Brauerzunft aufgelistet werden. Die genaue Nennung lautet „…Bei und zu Arsberg (Hölzerner Steeg auf der Mühlenbach)…“ [1].
Eine weitere Nennung stammt aus den Bieraccise-Büchern der städtischen Rentkammer aus dem Jahr 1476. Dort findet sich in der Liste der Brauereien der Eintrag „…Johann zum höltze Steeg…“.
Über die dann folgenden gut 350 Jahre ist nichts bekannt, bis im „Adresse-Kalender der Stadt Koellen“ aus dem Jahr 1795 der Eintrag „..Seefahrer Joh. Henr.: 59, an der Malzmühl…“ auftaucht [2]. In diesem Verzeichnis gibt es keine Berufsangaben, aber die französische Hausnummer 59 entspricht der Adresse Mühlenbach 48, dem Standort der Brauerei „Zum hölzernen Steeg“. Hieraus läßt sich sicher ableiten, dass die Brauerei im Jahr 1795, und vermutlich schon eine längere Zeit davor, von einem gewissen Johann Heinrich Seefahrer betrieben wurde.
Die Brauerei lag direkt gegenüber der damaligen Kölner Malzmühle, genau dort, wo die Straße „Im Filzengraben“ in die Straße „Mühlenbach“ übergeht. Im Jahr 1795 hieß die Straße „Mühlenbach“ allerdings noch „Karbenderstraße“, der Straßenname „Mühlenbach“ wurde erst zu Beginn des 19ten Jahrhunderts eingeführt [3,4].
Wie meist in Köln sind die Straßennamen von Berufsbezeichnungen oder offensichtlichen Gegebenheiten abgeleitet. An der Straße „Mühlenbach“ lief eben der Bach entlang, der die Malzmühle antrieb und der Name „Karbender“ leitet sich von den dort ansässigen Karrenbindern ab, welche für die Verladung von Waren auf Frachtwagen, meist im Kontext von Märkten zuständig waren [5].
Die genauen Straßenführungen wurden mehrfach geändert, die Brauerei lag deshalb zu Beginn (bis 1812) im Filzengraben und im Anschluss am Mühlenbach [8:01.03.1812,8:29.04.1813]. Oft wurde als Ortsangabe aber auch einfach nur „an der Malzmühle“ angegeben.
Die Malzmühle, im Jahr 1572 gegründet, versorgte fast alle Kölner Brauereien mit geschrotetem Malz. Kein Wunder, sie gehörte der Stadt Köln und diese hatte die volle Kontrolle über das Kölner Brauwesen. Nach der Besetzung Kölns durch die Franzosen war es damit aber vorbei, die Malzmühle wurde um 1813 geschlossen [7].
Heute gibt es in unmittelbarer Nähe, am Heumarkt 6, die „Brauerei zur Malzmühle“ . Diese hat allerdings, außer ihrer räumlichen Nähe, keinen weiteren Bezug zur Brauerei „Zum hölzernen Steeg“.
(KK063) [31]
Kreuterkarte der Straße am Mühlenbach um 1850. Anklicken zur Vergrößerung der Brauerei "Zum hölzernen Steeg" mit der Hausnummer 48
(K001) [6]
Auf dem Kartenausschnitt aus dem Jahr 1830 ist die Brauerei mit einem gelben Punkt gekennzeichnet. Gut zuerkennen ist die Lage direkt gegenüber der Malzmühle, auch der Mühlenbach war zu dieser Zeit noch nicht trockengelegt. Der grüne Punkt kennzeichnet die heute noch existierende Brauerei zur Malzmühle und der blaue Punkt die vermutlich nach ihrer Verwendung benannte "Pißgasse", welche kurze Zeit später die unverfängliche Bezeichnung "Börsengässchen" erhielt

Die Brauerei unter Laurenz Schmitz ((1797)-1831)
Gesichert ab dem Jahr 1797 wurde die Brauerei von Laurenz Schmitz betrieben [4]. Da Johann Heinrich Seefahrer die Brauerei noch im Jahr 1795 betrieben hatte, muss Laurentz Schmitz die Brauerei zwischen 1795 und 1797 übernommen haben. Johann Heinrich Seefahrer hatte sich inzwischen beruflich umorientiert, im Jahr 1797 machte er „in Oberlaendischen und anderen Producten“ [4].
Über Laurenz Schmitz selbst ist nicht viel bekannt. Er wurde um das Jahr 1765 geboren, war verheiratet und hatte mit der im März 1812 geborenen Christina und dem im April 1813 geborenen Johann Joseph zwei Kinder [8:01.03.1812,8:29.04.1813].
Laurenz Schmitz braute nicht nur Bier, er handelte auch mit weiteren Spirituosen, wie der folgenden Anzeige aus dem Jahr 1818 zu entnehmen ist.
[11:08.02.1818] „…Bei Laurenz Schmitz an der Malzmühle ist zu haben ächter Fruchtbranntwein pr. Maß 26 Stbr., Jamaica=Rhum pr. Maß 50 und 60 Stbr., die große Flasche zu 42 Stbr…“
Als Laurenz Schmitz im Juni 1822 im Alter von 57 Jahren verstarb, führte Margaretha Schmitz, die Witwe von Laurenz Schmitz, die Brauerei weiter [9:14.07.1822]. Margaretha Schmitz führte die Brauerei weitere 9 Jahre und setzte sie sich dann zur Ruhe. Im Februar 1831 stand die Brauerei zum Verkauf.
[11:13.02.1831] „…Das Brauhaus Nr. 48 an der Malzmühle, mit Hintergebäude, Stallung, Remise und großer Einfahrt versehen, der zur Brauerei im besten Zustande befindlichen Geräthschaft steht unter vortheilhaften Bedingungen zu verkaufen…“
Nach dem Verkauf der Brauerei wurde Margaretha Schmitz als Rentnerin, wohnhaft in der Weißbüttengasse 14, geführt [10]. Nach weiteren Stationen am Domhof 38 (1844), am Klingelpütz 2 (1852), in der Apernstraße 61 (1857) und der Pfeilstraße43 (1861) erscheint sie zum letzten Mal im den Jahren 1863-1864 als wohnhaft in der alten Wallgasse 12 [12,13,14,15,16,17]. Im Kölner Adressbuch des Jahres 1865 ist sie nicht mehr aufgeführt, vermutlich war sie im Jahr 1864 verstorben.
(w001) [11:08.02.1818]
Laurentz Schmitz handelte auch mit Spirituosen. In der Anzeige aus dem Jahr 1818 bot er Fruchtbranntwein und Jamaica-Rhum zum Verkauf an
(W002) [11:09.05.1818]
Weitere Anzeige für Fruchtbranntwein aus dem Jahr 1818
(W003) [11:13.02.1831]
Im Februar 1831 schaltete Margaretha Schmitz, die Witwe von Laurenz Schmitz, eine Anzeige zum Verkauf der Brauerei

Die Brauerei unter Heinrich Hummelsheim (1831-183?)
Heinrich Hummelsheim erwarb die Brauerei „Zum hölzernen Steeg“ im April 1831 und kündigte die Übernahme in der Kölner Presse wie folgt an:
[11:03.04.1831] „…Anzeige. Unterzeichneter widmet seinen Gönnern und Freunden hiermit die Anzeige, daß er das Haus „Zum hölzernen Steg“ am Malzbüchel käuflich übernommen, und die seit vielen Jahren in denselben bestandene Bierbrauerei fortsetzen wird, sich einem geneigten Zuspruch bestens empfehlend. Köln, den 1. April 1831. Heinrich Hummmelsheim…“
Heinrich Hummelsheim stammte aus einer Kölner Brauerfamilie, zum Zeitpunkt der Übernahme gab es 3 weitere Mitglieder der Familie Hummelsheim, welche eine Brauerei führten [18]. Im Einzelnen waren dies:
Leopold Hubert Hummelsheim, Rheingasse 27
Mathias Hummelsheim, Streitzeuggasse 25
Balthasar Hummelsheim, Brauerei „Zum Reiter“, Lindgasse 10
  
Wie lange Heinrich Hummelsheim die Brauerei „Zum hölzernen Steeg“ führte ist unklar, Daten sind erst wieder für das 1835 verfügbar. Zu diesem Zeitpunkt hatte Heinrich Hummelsheim bereits die Brauerei „zum dicken Thomas“ in der Glockengasse 39 übernommen [10].
Diese Brauerei führte Heinrich Hummelsheim bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1841, er wurde nur 32 Jahre alt [11:11.12.1841].
     
(W001) [11:03.04.1831]
Anzeige zu Kauf und Übernahme der Brauerei "Zum hölzernen Steg" von Heinrich Hummelsheim am 1. April 1831
                                                                                                                                                                                                          

Die Brauerei unter Arnold Rütger Laurentz ((183?)-1849)
Arnold Rütger Laurentz (auch Rüttger, Rutger oder Ruttger) stammte aus Manheim (heute ein Stadtteil von Kerpen) und war dort schon als Brauer tätig [19:08.02.1832]. Wann genau er die Brauerei „Zum hölzernen Steeg“ übernahm ist nicht klar. Deshalb ist auch nicht klar, ob die folgenden Anzeigen der Brauerei aus den Jahren 1833 und 1834 schon ihm oder noch seinem Vorgänger Heinrich Hummelsheim zuzuordnen sind.
[11:23.12.1833] „…Beste trockene Hefen.6 Sgr. per Pfd. sind täglich frisch zu haben im hölzernen Steeg, Mühlenbach Nr. 48, wo auch ein tüchtiger Brauergesell in Dienst treten kann…“
[11:14.11.1834] „…Das bekannte Weißbier ist von jetzt an ununterbrochen vorräthig im hölzernen Steeg, Mühlenbach Nr. 48…“
Arnold Rütger Laurentz war mit Anna Gertrud Geyr verheiratet, gemeinsam hatten sie 6 Kinder (Anna Gertrud, geb. 1836; Anna Maria, geb. 1838; Arnold, geb. 1839; Heinrich Amandus, geb. 1840, im Kindesalter verstorben; Theodor, geb. 1842; Georg (Geburtsjahr nicht bekannt) sowie Anna Sibilla, geb. 1849 [11:12.07.1836,11:05.07.1838,11:06.09.1839,11:11.08.1840,11:16.10.1842,20:08.11.1849,11:03.08.1865].
Ab dem Jahr 1835 sind Anzeigen bekannt, in denen Arnold Rütger Laurentz für sein Baierische Bier warb. Dies ist insofern interessant, als es sich dabei um untergärig gebrautes Bier handelt und untergäriges Brauen in einer kleinen Brauerei wie der Brauerei „Zum hölzernen Steeg“ sehr aufwendig und wenn überhaupt nur in den Wintermonaten möglich war. Zu dieser Zeit gab es in Köln so gut wie keine Brauereien, welche untergärig brauten. Erst mit der im Jahr 1838 gegründeten Ehemann’schen Brauerei, welche schon im industriellen Ausmaß braute, wurde das untergärige Brauen in Köln im großem Maßstab etabliert .
[11:30.03.1835] „…Baierisches Bier von vorzüglicher Güte von heute an in und außer dem Hause zu zwei Silbergr. das Quart und zu sechs Thaler die Ohm abgegeben im hölzernen Steeg Nr. 48, der Malzmühle gegenüber…“
[11:12.05.1836] „…Nebst gewöhnlichem jungen und alten Braunbier ist fortwährend vorzügliches Baierisches Bier faßweise und im Auszapf billig zu haben bei Arn. R. Laurentz im hölzernen Steeg, wo auch ein starker Bursche in die Lehre treten kann…“
Arnold Rütger Laurentz braute nicht nur Bier, er handelte auch mit Malz und Hefe.
[11:21.01.1841] „…Malz von oberländischer Gerste. Zu haben Mühlenbach Nr. 48…“
[11:01.02.1843] „…Baierische Untergähr=Hefe zu haben Mühlenbach 48…“
Bemerkenswert ist die Bezeichnung „Untergähr-Hefe“. Der Begriff „untergärig“ wurde eigentlich erst nach der Entdeckung der Hefezellen durch Louis Pasteur im Jahr 1857 und den darauffolgenden weiteren Entdeckungen allgemeingültig.
Zusätzlich zur Brauerei und Restauration eröffnete Arnold Rütger Laurentz im Jahr 1844, als sehr ungewöhnliche Kombination, noch ein „Marmorgeschäft“.
[11:19.03.1844] „…Marmorgeschäft. Außer mehren bereits fertigen, zur gef. Ansicht bei uns aufgestellten Gegenständen, als Hausfluren, Kaminen, Treppen, Apothekermörsern, Fensterbänken 2c. sind wir, sowohl durch Beziehung ausländischer Marmorarten, als durch eigene Gewinnung, uns Einrichtung einer Sägemühle in Stand gesetzt, alle übrigen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten, als: Tischplatten, Grabsteine, Pendelkasten etc. nach Zeichnung oder Beschreibung zierlich, schnell und billig auszuführen. Köln, im März 1844. Laurentz et Rousselle, Mühlenbach Nr. 48 im hölzern Steg…“
Als Adresse für die Marmorhandlung war nicht nur „Mühlenbach 48“, sondern auch „im hölzern Steg“ angegeben. Über den Partner in der Firma „Laurentz et Rousselle“ ist nichts bekannt, im Kölner Adressbuch des Jahres 1844 und der Folgejahre ist keine Person dieses Namens verzeichnet [12,21].
Die nächsten 5 Jahre führte Arnold Rütger Laurentz Brauerei und Marmorhandlung parallel bis er im Jahr 1849 die Brauerei an Joseph Simons übergab. Im Jahr 1853 verließ Arnold Rütger Laurentz den Mühlenbach und verlegte seine Marmorhandlung in die Straße an der Linde 21.
[11:14.01.1853] „…Die Verlegung meiner Marmor=Handlung von dem Mühlenbach 48 an der Linde 21 (Cunibert) zeige ich hiermit an. A. R. Laurentz…“
Kurz danach setzte sich Arnold Rütger im Alter von sage und schreibe 48 Jahren zur Ruhe, ab dem Jahr 1855 wurde er als Rentner geführt [22]. Arnold Rütger Laurentz verstarb im Januar 1864 im Alter von 57 Jahren [11:22.01.1864].
Nach seinem Tod kam es, nicht ungewöhnlich, zu Erbstreitereien. Diese geben einen guten Einblick in den finanziellen Status von Arnold Rütger Laurentz. Dieser war vermutlich nicht durch die Brauerei, sondern durch seine Marmorhandlung zu erheblichen Wohlstand gelangt. In einer Zwangsversteigerung im Oktober 1865 wurden 7 in Köln gelegene, sich in seinem Besitz befindliche Häuser versteigert [11:03.08.1865]. Bei einer weiteren Versteigerung im September 1866 folgten 89 sich in seinem Besitz befindliche Grundstücke [23:02.09.1866].
(W001) [11:23.12.1833]
Verkaufsanzeige für Hefe aus Dezember 1833. Unklar ist, ob dies Anzeige schon Arnold Rütger Laurentz oder noch seinem Vorgänger Heinrich Hummelsheim zuzuordnen ist
(W002) [11:14.11.1834]
Anzeige für das "bekannte Weißbier", vorräthig im Hölzernen Steeg aus November 1834. Wie bei der links nebenstehenden Anzeige ist die Zuordnung unklar
 
(W003) [11:30.03.1835]
Anzeige für Baierisches Bier aus März 1835. Damit war die Brauerei zum hölzernen Steeg eine der ersten Brauereien in Köln überhaupt, welche untergäriges Bier braute
(W004) [11:09.03.1836]
Weitere Anzeige für baierisches Bier aus März 1836
(W004) [11:12.05.1836]
Weitere Anzeige für baierisches Bier aus Mai 1836. Das Bier war im Ausschank, es wurde aber auch fassweise zum Kauf angeboten 
 
(W006) [11:07.06.1836]
Weitere Anzeige für baierisches Bier aus Juni 1836 
(W014) [11:12.01.1841]
Neben der Brauerei betrieb Arnold Rütger Laurentz auch eine Mälzerei. Anzeige aus dem Jahr 1841
 
(W010) [11:12.10.1842]
Ein neues Billard bei A.R. Laurentz am Mühlenbach 48. Anzeige aus Oktober 1842
(W013) [11:01.02.1843]
Diese Anzeige aus dem Jahr 1843 ist insofern bemerkenswert, als dass der Begriff "untergärig" eigentlich erst 30 Jahre später geläufig wurde
(W007) [11:27.02.1840]
"komisch-theatralische Vorstellung" der Karnevalsgesellschaft "Thalia" bei Herrn Laurentz im hölzernen Steeg. Anzeige aus Februar 1840
(W008) [11:19.03.1844]
Zusätzlich zu Brauerei und Restauration eröffnete Arnold Rütger Laurentz mit einem Partner ein ebenfalls am Mühlenbach 48 gelegenes Marmorgeschäft 
(W011) [11:14.01.1853]
Im Jahr 1853, Arnold Rütger Laurentz hatte sich mittlerweile ausschließlich auf das Marmorgeschäft konzentriert, wurde dieses vom Mühlenbach in die Straße an der Linde verlegt
(W015) [11:06.01.1846]
Mitte der 1840er Jahre gab es im Gebäude der Brauerei auch eine "Pianoforte-Fabrik"
 
(W009) [11:22.01.1864]
Todesanzeige von Arnold Rüttger Laurentz, welcher am 21. Januar 1864 im Alter von 56 Jahren verstarb
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             

Die Brauerei unter Joseph Simons (1849-1863)
Joseph Simons übernahm die Brauerei „Zum hölzernen Steeg“ im Jahr 1849 von Rütger Laurenz und kündigte dies wie folgt in der Kölner Presse an:
[11:17.02.1849] … Da ich mit dem 15. d. die Brauerei, genannt zum Holzersteg, Mühlenbach 48, übernommen und mit dem heutigen Tage meine Bierwirthschaft eröffnet habe, empfehle ich mich meinen Freunden und Gönnern mit gutem Braun=, Weiß= und Baierisch­Bier, so wie prompter, reeller und guter Bedienung bestens. Joseph Simons…“
Obwohl Joseph Simons die Brauerei über eine lange Zeit führte, sind nur wenige Informationen über ihn und seine Herkunft bekannt. Es gab in diesen Jahren eine Reihe von Brauern namens Simons und es könnte sein, dass Joseph Simons ein Sohn von Balthasar Joseph Simons war, welcher zu diesem Zeitpunkt bereits seit 20 Jahren eine Brauerei an der Griechenpforte 7 führte [24]. In diesem Fall wäre Sibilla Josepha Engels seine Mutter gewesen [11:01.03.1835]. Diese war eine Schwester des Bierbrauers Nicolas Joseph Engels, welcher über 30 Jahre eine Brauerei am Eigelstein 10 führte [24].
Am 3. April 1850 heiratete Joseph Simons die ebenfalls aus Köln stammende Catharina Hölz [11:06.04.1850]. Im Januar 1851 kam ihr gemeinsamer Sohn Peter Joseph zur Welt. Allerdings kam dieser zu früh und es gab Komplikationen. Catharina Simons verstarb nur 2 Wochen nach der Geburt an „den folgen einer mit vieler Geduld ertragener Brustkrankheit mit hinzugetretenem zu frühen Wochenbett“ im Alter von nur 24 Jahren [11:12.02.1851]. Als „Brustkrankheit“ wurde zu dieser Zeit die Tuberkulose bezeichnet, eine der häufigsten Todesursachen im Köln der damaligen Zeit.
Der Betrieb ging weiter, im Juni 1852 kündigte Joseph Simons die Eröffnung seiner Kegelbahn und seiner neu eröffneten Gartenwirtschaft an [11:29.06.1852].
Am 5. März 1853 heiratete Joseph Simons erneut. Seine zweite Frau, Gertrud Groß, stammte ebenfalls aus Köln. Mit seiner zweiten Frau hatte Joseph Simons zwei weitere Kinder, den im August 1856 geborenen Franz Ferdinand und die im November 1858 geborene Margaretha Josephine [11:11.08.1856,11:08.11.1858].
Im April 1854 schaltete Joseph Simons erneut eine Anzeige zur Eröffnung von Kegelbahn und neu eingerichteter Gartenwirtschaft. Beides war Saisongeschäft. Die Kegelbahnen waren in den meisten Fällen nicht beheizt und wurden deshalb nur in der halbwegs warmen Saison betrieben.
[11:09.04.1854] „…Bierbrauerei zum hölzernen Steeg. Bei der heute erfolgten Eröffnung meiner Kegelbahn bringe ich meine ganz neu eingerichtete Gartenwirthschaft unter Zusicherung eines ausgezeichneten Bieres in empfehlende Erinnerung. Jos. Simons, Mühlenbach 48…“
Die Geschäfte schienen gut zu laufen, den Joseph Simons vergrößerte seine Brauerei im Herbst 1854. Da seine eigenen Biervorräte nicht reichten, war er gezwungen bis zur Fertigstellung des Umbaus zugekauftes Niedermendiger Felsenbier zu einem höheren Preis (15 statt 10 Pfennig das Glas) anzubieten.
[11:09.09.1854] „…Bierbrauerei zum hölzernen Steeg. Durch Vergrößerung meiner Bierbrauerei und den damit verbundenen baulichen Einrichtungen bin ich augenblicklich nicht mehr in der Lage, meinen verehrlichen Gästen, wie bisheran, mein eigenes Fabricat, welches augenblicklich vergriffen ist, per Glas à 1 Sgr. verabreichen zu können und werde daher von heute ab bis zum 1. November d. J., wo ich meine Bierbrauerei wieder vollständig hergestellt und bedeutend vergrößert habe, Niedermendiger Felsenbier, per Glas zu 15 Pfennigen, verzapfe, wozu ergebenst einladet. Köln, den 8. September 1854. Jos. Simons, Müblenbach Nr. 48…“
In der Restauration der Brauerei, bzw. bei „Simons Jupp“, trafen sich viele Vereine, so z.B. die Karnevalsgesellschaften „Heiterkeit“ und “Relevanta und Gemös“ sowie die Lotteriegesellschaft „Colonia“ [11:17.12.1854,11:03.02.1857,11:05.09.1858].
Ende des Jahres 1863 setzte sich Joseph Simons zur Ruhe, überließ die Führung der Brauerei Christian Joseph Wallraff und verzog in das damals noch eigenständige Deutz in die Tempelwallstraße 8 [11:18.11.1860,17].
Joseph Simons blieb weiter Eigentümer der Brauerei und wurde fortan als Rentner geführt. Seine genauen Lebensdaten sind nicht bekannt, doch vermutlich war er zu diesem Zeitpunkt keine 40 Jahre alt.
(W011) [11:17.02.1849]
Anzeige zur Übernahme der Brauerei "zum Holzersteg" durch Joseph Simons am 15. Februar 1849
(W017) [11:06.04.1850]
Heiratsanzeige von Joseph Simons und Catharina Hölz aus April 1850
(W018) [11:12.02.1851]
Todesanzeige von Catharina Simons geb. Hölz, welche im Februar 1851 im Alter von nur 24 Jahren verstarb
(W022) [11:06.03.1853]
Im März 1853 heiratete Joseph Simons seine zweite Frau Gertrude Groß
(W021) [11:09.08.1856]
Anzeige zur Geburt des Sohnes Franz Ferdinand aus August 1856
(W023) [11:06.11.1858]
Anzeige zur Geburt der Tochter Margaretha Josephine aus November 1858
(W001) [11:27.10.1850]
Die Lotterie-Gesellschaft trifft sich bei Herrn Simons im hölzernen Steeg. Anzeige aus Oktober 1850
(W002) [11:29.06.1852]
Eröffnung von Kegelbahn und Gartenwirthschaft. Anzeige aus Juni 1852
 
(W004) [11:09.09.1854]
Während der Bauarbeiten zur Vergrößerung der Brauerei schenkte Josef Simons von September bis November 1854 hinzugekauftes Niedermendiger Felsenbier aus
(W005) [11:17.12.1854]
Die Gesellschaft "Heiterkeit" versammelte sich im Gesellschafts-Lokal bei Joseph Simons (zum hölzernen Steeg). Anzeige aus Dezember 1854
(W006) [11:21.01.1855]
Weitere Anzeige der Gesellschaft "Heiterkeit" aus Januar 1855
(W007) [11:03.02.1855]
Weitere Anzeige der Gesellschaft "Heiterkeit" aus Februar 1855 
(W008) [11:03.02.1857]
Erste Generalversammlung der vereinigten Karnevalsgesellschaften "Relevanta" und "Gemös" "em hölze Steeg ahn der Malzmüll". Anzeige aus Februar 1857
     
(W012) [11:05.09.1858]
Stiftungsfest der Lotteriegesellschaft "Colonia" bei Herrn Simons, Mühlenbach 48. Anzeige aus September 1858
(W009) [11:14.10.1858]
Versammlung der Gesellschaft "Borussia" im Simon'schen Locale auf der Mühlenbach (im hölzernen Steeg. Anzeige aus Oktober 1858
(W019) [11:18.11.1860]
Ein neu aufgestelltes Brüsseler Billard sollte Gäste anlocken. Anzeige aus November 1860
                                                                        

Die Brauerei unter Christian Joseph Wallraff (1863-1865)
Christian Josef Wallraff kündigte die Übernahme der Brauerei „Zum hölzernen Steeg“ in der Kölner Presse wie folgt an:
[11:01.11.1863] „…Wirthschafts=Eröffnung. Mit dem heutigen Tage eröffnete und übernahm ich die bisher von Herrn J. Simons, Mühlenbach Nr. 48 „im hölzernen Steeg“, geführte Bierwirthschaft nebst Brauerei. Indem ich für den mir in meinem früheren Local geschenkten Besuch hiermit danke, bitte ich, das dem Herrn Simons geschenkte Vertrauen auch auf mich übergehenlassen zu wollen. Ich werde dasselbe durch gute Getränke verbunden mit Restauration und Bedienung, rechtfertigen. Köln, 31. October 1863. Chr. Jos. Wallraff, Mühlenbach Nr. 48…
Joseph Wallraff weißt in der Anzeige auf sein früheres Lokal hin, zuvor hatte Joseph Wallraff bereits 4 Jahre lang die Brauerei „Zur Blankenburg“ in der Plankgasse 32 betrieben . Weitere Lebensdaten von Joseph Wallraff und sein Verbleib nach der Führung der Brauerei „Zum hölzernen Steeg“ sind dort aufgeführt.
Joseph Wallraff führte direkt eine Änderung ein, im Gegensatz zu seinem Vorgänger stellte er das untergärige Brauen ein und braute ausschließlich obergäriges Weiß- und Braunbier.
[11:15.11.1863] „…Ich erlaube mir hiermit darauf aufmerksam zu machen, daß ich mit dem 1. d. M. die Brauerei nebst Wirthschaft im „Hölzernen Steeg“ von Herrn J. Simons übernommen habe, jedoch in der Wirthschaft kein Baierisches, sondern Kölner Weiß= sowie Braunbier verabreichen werde, wobei ich mich meinen geehrten Freunden und Gönnern bestens empfohlen halte. Achtungsvoll Ch. Jos. Wallraff, Mühlenbach Nr. 48…“
Bis zum Mai 1865 verlief alles ruhig, die einzigen Nennungen stammen von Vereinen, welche in der Brauerei-Restauration ihre Treffen abhielten. Dann kam eine Katastrophe nach der anderen.
Als erstes wurde der Braubetrieb eingestellt und Brauerei-Mobilien sowie die Restaurations-Ausstattung zwangsversteigert. Auf der Versteigerungsliste war sogar verdorbenes Bier aufgeführt. Der Hintergrund für die Zwangsversteigerung ist nicht bekannt, es werden aber vermutlich wirtschaftliche Gründe dazu geführt haben.
[11:17.05.1865] „…Gerichtlicher Verkauf am Mittwoch den 17. Mai 1865 Morgens 10 Uhr, sollen zufolge Rathskammer=Beschlusses des Königlichen Landgerichtes zu Köln vom 11. Mai 1865 im Hause Mühlenbach Nr. 48 zu Köln - im hölzernen Steg— Tische, Stühle, Bänke, Spiegel, Oefen, Schränke, Bilder, Biergläser, Bettstellen, Sopha's, ein Billard nebst Zu­behör, ein vierrädriger Bierwagen, ein Pferd(Schimmel, Wallach), 9 Fuder verdorbenes Bier, leere Fässer, eine Bier=Pumpe und sonstiges Haus= und Küchengeräthe, so wie Brauerei=Geräthschaften … öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden. Der Gerichtsvollzieher, Siebert…“
Nur 4 Wochen nach der Zwangsversteigerung verstarb sein Frau Magdalena Wallraff geb. Keldenich im Alter von 28 Jahren und weitere 2 Monate später seine erst 8 Monate alte Tochter Maria Louise. Vermutlich im Folgejahr brach Christian Joseph Wallraf seine Zelte in Deutschland ab und immigrierte mit seinen beiden noch lebenden Kindern in die USA:
 
(W004) [11:01.11.1863]
Am 31. Oktober 1863 übernahm Christian Joseph Wallraff die Brauerei am Mühlenbach von Joseph Simons
(W001) [11:15.11.1863]
Mit der Übernahme der Brauerei durch Christian Joseph Wallraff war Schluss mit dem Brauen von untergärigem Bier. Im Programm war nur noch obergäriges Weiß- und Braunbier
                                                                                                                                                                                         
(W002) [11:26.11.1863]
Sächsische Kanarienvögel in der Brauerei Von Christian Joseph Wallraff. Anzeige aus dem Jahr 1863
(W006) [11:30.01.1864]
Der "Consum-Verein CERES" hält seine Generalversammlung bei Herrn Wallraff im "Zum hölzernen Steeg" ab. Anzeige aus dem Jahr 1864
(W005) [11:10.07.1864]
Der "Kölner Vorschuß- und Credit-Verein" hält seine Generalversammlung bei Herrn Wallraff im "Zum hölzernen Steeg" ab. Anzeige aus dem Jahr 1864
(W007) [22.01.1865]
Die Karnevalsgesellschaft "Blumenkörbchen" hielt ihre Sitzungen ebenfalls bei Herrn Wallraff am Mühlenbach ab. Anzeige aus dem Jahr 1865

Die Brauerei unter Joseph Simons, Teil II (1866-1868)
Nach dem Christian Joseph Wallraff abhandengekommen und die Brauerei geschlossen worden war, sah sich Joseph Simons wohl gezwungen seinen Ruhestand aufzugeben und wieder selbst die Kontrolle zu übernehmen. Im April 1866 eröffnete am Mühlenbach 48 ein Baierisches Bierlokal.
[11:01.04.1866] „…Das Simonsche Baierische Bierlocal, neu ein­gerichtet, ist von heute geöffnet, Mühlenbach 48…“
Vermutlich braute er zu Beginn noch selbst, in den Jahren 1866 und 1867 ist er im Kölner Branchenverzeichnis noch als Brauer aufgeführt. Ab Herbst 1868 wurde gesichert nicht mehr gebraut, sondern nur noch die Restauration weiterbetrieben. Die zeigt auch die folgende Anzeige aus September 1868, in der Joseph Simons die komplette Brauereieinrichtung zum Kauf anbot.
[11:29.09.1868] „…Brauereigeräthe: 1 Braupfanne, 3328 Quart, ganz neu, 1 Maischbottich, 3136 Quart, 1 Würzbottich, 1977 Quart, 1 Kühlschiff von Eisen, 3196 Quart, 1 Kühlschiff, 3481 Quart, 1 Würzpumpe von schwerem Blei, 1 Doppel=Wasserpumpe, 1 Malzschrotmühle mit Verschluß=Anlage nebst Roßwerk, sämmtliche Geräthe in sehr gutem Zustande, stehen wegen baulicher Veränderung zu verkaufen, Mühlenbach 48…“
   
(W013) [11:01.04.1866]
Im April 1866 übernahm Joseph Simons wieder selbst die Führung seines Lokals am Mühlenbach 48
(W014) [11:29.09.1868]
Im September 1868 kam das endgültige aus der Brauerei, die gesamte Brau-Einrichtung wurde verkauft
                                                                                                                                                                           

Die weitere Nutzung als Restauration (1868-1890)
Nach dem Verkauf der Brauereigerätschaften betrieb Joseph Simons in den Gebäuden am Mühlenbach 48 nur noch eine Restauration.
Den Umbau und die Wiedereröffnung kündigte er im September 1869 wie folgt an:
[11:30.09.1869] „…Hiermit die ergebenste Anzeige, daß ich auf morgen meine baierische Bierwirthschaft wieder eröffne und ein vorzügliches baierisches Lagerbier verabreichen werde. Jos. Simons, Mühlenbach. 48…“
Kurz danach warb Joseph Simons mit Bier aus der Dortmunder Feldschlößchen Brauerei für seine Baierische Bierwirtschaft. Dies war nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, da die Bezeichnung „baierisches Bier“ zu dieser Zeit eine herkunftsneutrale Bezeichnung für untergärig gebrautes Bier war.
[11:19.03.1870] „…Restauration Simons. Dortmunder Feldschlößchen=Bier, heute die erste Sendung in Anstich genommen, welches seiner vorzüglichen Qualität wegen empfohlen wird. Jos. Simons, Mühlenbach 48…“
Joseph Simons führte die Restauration insgesamt 4 Jahre, bis er sich im Jahr 1872 erneut zur Ruhe setzte und die Restauration an Max Gisbertz übergab. Joseph Simons wohnte die nächsten Jahre in der Arndtstraße 4, bevor er vermutlich Ende des Jahre 1874 verstarb [11:11.01.1875,25].
[11:06.01.1872] „…Restauration Simons, Mühlenbach Nr. 48. Ich beehre mich hierdurch dem verehrten Publicum ergebenst anzuzeigen, daß ich mit dem heutigen Tage mein Restaurationslocal an den Herrn M. Gisbertz übertragen habe. Für das mir bisher geschenkte Vertrauen bestens dankend, bitte ich dasselbe auch auf meinen Nachfolger übergehen zu lassen. Köln, den 30. December 1871. Jos. Simons.
Unter Bezugnahme an vorstehende Anzeige empfehle ich meine Restauration dem verehrten Publicum. Ich werde es mir angelegen sein lassen, durch vorzügliche Küche und gute Getränke meine Gäste zufrieden zu stellen. Um stets gleichmäßiges, gutes Bier ausschenken zu können, habe ich mir den Bezug desselben durch Vertrag „mit der Dortmunder Bierbrauerei Herbertz & Compagnie" gesichert. Köln, im Januar 1872. Max Gisbertz…“
Die nächsten Jahre wurde die Restauration „Zum hölzernen Steeg“ von Max Gisbertz betrieben. Auch wenn Max Gisbertz in seinen Anzeigen nicht mit dem Namen „Zum hölzernen Steeg“ warb, so wurde die Restauration weiterhin so genannt, z.B. taucht dieser Name in Anzeigen zu Treffen von Vereinen in der Restauration auf [26:13.10.1888].
[11:10.02.1872] „…Restauration Gisbertz, Mühlenbach 48, früher Simons. Vorzügliche Küche, gute Getränke, feinstes Dortmunder Bier aus der Brauerei Herbertz & Comp…“
Was Max Gisbertz vor Übernahme der Restauration am Mühlenbach 48 gemacht hat, ist nicht bekannt, in den Kölner Adressbüchern ist er erst ab dem Jahr 1873 verzeichnet [27,28].
Max Gisbertz führte die Restauration bis in Jahr 1876. In diesem Jahr übernahm ein gewisser Joseph Simons die Restauration.
[11:10.11.1876] „…Restauration. Am morgenden Tage Samstag den 11. November eröffne in meinem Hause Mühlenbach 48 ein Baierisches Bier-Restaurant. Bei Verabreichung von feinem Export=Bier, guter Küche und promptester Bedienung halte mich bestens empfohlen. J. Simons…“
Bei diesem Joseph Simons, genauer Peter Joseph Simons, handelte es sich um den im Jahr 1851 geborenen Sohn des ursprünglichen Betreibers Joseph Simons, genauer Christian Joseph Simons [11:30.01.1851].
Vermutlich führte Peter Joseph Simons die Restauration bis ins Jahr 1885 und verkaufte sie dann an den neuen Betreiber Joseph Frings. Dessen Geschäftsmodell war aber vermutlich nicht tragfähig, den bereits im November 1885 ging er in Konkurs.
[11:08.11.1885] „…Concurs-Eröffnung. Ueber das Vermögen des Restaurateurs Joseph Frings zu Köln, Mühlenbach Nr. 48 wohnend, wurde am 6. November 1885, Vormittags 9 Uhr, das Concurs=Verfahren eröffnet und der Herr Rechtsanwalt Otto Becker zu Köln zum Concurs­Verwalter ernannt. Concursforderungen sind bis zum 6. December d. J. bei dem Gerichte anzumelden. ... Köln, den 6. November 1885. Königl. Amtsgericht , Abth. VII. Zur Beglaubigung: Der Gerichtsschreiber, Keßler…“
Einen Monat später kam es noch schlimmer. Josef Frings hatte vermutlich versucht, die Finanzen durch Wechselfälschung wieder in Ordnung zu bringen, befand sich auf der Flucht und wurde Steckbrieflich gesucht.
[11:11.12.1885] „…Steckbrief. Gegen den unten beschriebenen Wirt Josef Frings aus Köln, Mühlenbach 48, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Wechselfälschung verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Civil=Gefängnis zu Köln abzuliefern. Köln, den 10. December 1885. Der Untersuchungsrichter II. Beschreibung: Alter 25 Jahre, Größe 1,70m, Statur schlank, Haare blond, Stirn frei, Bart: blonder Schnurr= und Backenbart, Augenbrauen blond, Augen grau, Nase gewöhnlich, Mund gewöhnlich, Kinn oval, Gesicht oval, Gesichtsfarbe gesund, Sprache deutsch. Besondere Kennzeichen: rechter Arm kürzer und steif…“
Bei der folgenden Zwangsversteigerung erwarb der Brauer Carl Schmitz die Restauration am Mühlenbach 48. Ziel des Kaufs war, weitere Absatzstätten für das Bier aus der Brauerei Schmitz zu gewinnen . Erster Betreiber unter dem Neuen Eigentümer war Jacob Michels, welcher auch wieder mit dem Namen „Em hölze Steeg“ warb.
[29:24.07.1887] „…Restaurations-Eröffnung. Em hölze Steeg! Samstag den 23. dss. eröffnete ich Mühlenbach 48 eine Kölner Bier=Restauration und halte mich mit hochfeinem Lagerbier aus der Brauerei des Herrn Carl Schmitz, Müngersdorf, sowie ausgezeichnete Küche bei billigen Preisen angelegentlichst empf. Hochachtungsvoll! Jacob Michels, Mühlenbach 48…“
Ende des Jahres 1888 übernahm Hermann Eigemann die Führung der Restauration am Mühlenbach 48 und 1 Jahr später verkaufte Carl Schmitz die Restauration an die Firma Steinert & Aischmann, welche am Gereonshof 11 ansässig war und dort eine Hopfenhandlung betrieb. Ferdinand Aischmann war zu dieser Zeit auch im Aufsichtsrat der Köln-Niedermendiger Aktienbrauerei .
Im Jahr 1890 war dann endgültig Schluss. Die Stadt Köln plante eine völlige Umgestaltung des Bereichs inklusive der Straßenführung, erwarb das Grundstück Mühlenbach 48 sowie umliegende Grundstücke und gestaltete den Bereich um. Im Rahmen dieser Umgestaltung fiel die Restauration am Mühlenbach der neuen Straßenführung zum Opfer und wurde abgerissen (im Anschluss gab es eine Lücke zwischen Mühlenbach 42 und Mühlenbach 50) [30:1892,30:1893,30:1895].
(W024) [11:30.09.1869]
Anzeige von Joseph Simons zur Wiedereröffnung seiner "baierischen Bierwirthschaft" aus September 1869
(W015) [11:09.03.1870]
Anstich der ersten Sendung Dortmunder Feldschlößchen-Bier. Anzeige von Joseph Simons aus März 1870
(W014) [11:06.01.1872]
Im Januar 1872 übergab Josef Simons die Führung seiner Brauerei an Max Gisbertz. Dieser führte Bier aus der Brauerei Herbertz & Compagnie aus Dortmund ein
 
(W005) [11:17.01.1872]
Anzeige von Max Gisbertz aus Januar 1872, kurz nach der Übernahme der Restauration. Im Ausschank war "feinstes Dortmunder Bier aus der Brauerei Herbertz & Comp."
(W004) [11:10.02.1872]
Anzeige von Max Gisbertz aus Februar 1872 mit Hinweis auf seinen Vorgänger
(W015) [20:09.03.1872]
Eine Sendung von dem schönen Export-Bier, das Glas zu 2 Silbergroschen. Anzeige aus März 1872
(W017) [30:1873]
In der Anzeige von Max Gisbertz im Kölner Adressbuch des Jahres 1873 wirbt dieser selbstbewusst mit dem Statement "schönstes Bier-Lokal im südlichen Stadttheile"
 
(W016) [11:22.02.1873]
Auch über ein Jahr nach der Übernahme der Restauration warb Max Gisbertz noch mit "vorm. Simons". Anzeige aus Februar 1873
 
(W006) [11:28.04.1874]
Weitere Anzeige von Max Gisbertz aus dem Jahr 1874
(W007) [11:23.01.1875]
Weitere Anzeige von Max Gisbertz aus dem Jahr 1875
(W016) [11:10.11.1876]
Im November 1876 übernahm Joseph Simons, der gleichnamige Sohn des sich mittlerweile im Ruhestand befindlichen Joseph Simons, die Leitung der Restauration am Mühlenbach 48
(WS010) [29:30.12.1877]
Auf der Referenzliste der Petroleum-Leuchen-Fabrik von C. Pahde ist auch Jos. Simons, im hölz. Steeg, Mühlenbach mit einer Installation von 20 Flammen aufgeführt. Anzeige aus Dezember 1877 
(W008) [33:15.08.1885]
Anzeige des "Restaurant Frings" aus dem Jahr 1885. Im Ausschank: "Export-Bier der Export-Brauerei Dittmann & Sauerländer in Aachen"
(W018) [29:24.07.1887]
Im Juli 1887 übernahm Jacob Michels die Leitung der Restauration "Em hölze Steeg"
(W010) [29:11.09.1887]
Grosses Bock-Fest "Em hölze Steeg" bei Jacob Michels. Anzeige aus dem Jahr 1887
 
(W002) [26:13.10.1888]
Der Verband der Bäcker und Berufsgenossen traf sich "Em hölze Steeg". Anzeige aus dem Jahr 1888
(W003) [32:14.07.1889]
Der Männergesangverein Lyra traf sich "Em hölze Steeg". Anzeige aus dem Jahr 1889
(W013) [11:30.01.1891]
Wohl die letzte Nutzung des Gebäudes am Mühlenbach 48 vor dem Abriss war die übergangsweise Beherbergung der Schweine-Metzgerei von Peter Thelen. Dieser nutze die ehemalige Brauerei für einige Monate im Jahr 1891 während des Neubaus seines Hauses
                                                              

Übersicht der Firmierungen
Zeitraum        Firmierung Anmerkung
(1797)-1831 Brauerei „Zum hölzernen Steeg", Laurenz Schmitz Bis 1812 am Filzengraben, anschließend am Mühlenbach 48
1831-183? Brauerei „Zum hölzernen Steeg", Heinrich Hummelsheim  
(1836)-1849 Brauerei „Zum hölzernen Steeg", Arnold Rütger Laurentz  
1849-1863 Brauerei „Zum hölzernen Steeg", Joseph Simons  
1863-1865 Brauerei „Zum hölzernen Steeg", Christian Joseph Wallraff  
1866-1868 Brauerei „Zum hölzernen Steeg", Joseph Simons  
1868-1890 Restauration „Zum hölzernen Steeg" Unter verschiedenen Betreibern

Quellenverzeichnis
 
1 „Die ältesten Brauereien Kölns“, Artikel von Wilhelm Scheben aus dem Jahr 1888, erschienen im Kölner Sonntags-Anzeiger, Ausgaben 615 (05.08.1888), 617 (19.08.1888) und 618 (26.08.1888)
2 "Adresse-Kalender der Stadt Köllen", Köllen, in dem Bureau des französischen Journals 1795
3 Vogt-Picquet Stadtplan der Stadt Köln, T. F. Thiriart, 1815
4 "Verzeichnis der Stadt-Kölnischen Einwohner, nebst Bemerkung", Thiriart und Compagnie, 1797
5 https://altes-koeln.de/wiki/M%C3%BChlenbach
6 https://altes-koeln.de/wiki/Stadtplan_K%C3%B6ln_1830, Stadtplan Köln 1830. Erstellt durch Lutz Kuhl auf Grundlage einer Karte von 1815 ergänzt um Daten aus den Brouillon-Katasterplänen
7 https://brauereizurmalzmuehle.de/geschichte/
8 "Feuille d'affiches, annonces et avis divers de Cologne", Ausgaben 01.03.1812, 29.04.1813
9 Zeitschrift "Colonia", Ausgabe: 14.07.1822
10 "Adreß-Buch oder Verzeichniß der Einwohner der Stadt Köln", Buchdruckerei von Fr. J. Greven, 1835
11 "Kölnische Zeitung", Ausgaben 08.02.1818, 09.05.1818, 13.02.1831, 03.04.1831, 14.04.1833, 23.12.1833, 14.11.1834, 01.03.1835, 30.03.1835, 09.03.1836, 12.05.1836, 07.06.1836, 12.07.1836, 05.07.1838, 06.09.1839, 27.02.1840, 11.08.1840, 21.01.1841, 11.12.1841, 12.10.1842, 16.10.1842, 01.02.1843, 19.03.1844, 06.01.1846, 23.07.1844, 17.02.1849, 27.01.1850, 06.04.1850, 27.10.1850, 30.01.1851, 12.02.1851, 13.02.1851, 29.06.1852, 14.01.1853, 06.03.1853, 09.04.1854, 09.09.1854, 17.12.1854, 21.01.1855, 18.02.1855, 09.08.1856, 11.08.1856, 03.02.1857, 07.03.1858, 05.09.1858, 14.10.1858, 08.11.1858, 06.11.1858, 18.11.1860, 01.11.1863, 15.11.1863, 26.11.1863, 22.01.1864, 30.01.1864, 21.12.1864, 10.07.1864, 04.12.1864, 22.01.1865, 19.03.1865, 17.05.1865, 25.07.1865, 03.08.1865, 27.08.1865, 03.09.1865, 01.04.1866, 29.09.1868, 30.09.1869, 19.03.1870, 29.04.1871, 27.05.1871, 06.01.1872, 17.01.1872, 10.02.1872, 22.02.1873, 28.04.1874, 11.01.1875, 23.01.1875, 10.11.1876, 08.11.1885, 11.12.1885, 10.05.1886, 30.01.1891
12 "Kölner Adress-Buch", Herausgegeben von J.G. Heyn, Köln, 1844
13 "Allgemeines Adreß-Buch (Wohnungs-Anzeiger) für Coeln". Herausgeben von Wilhelm Greven, Köln, 1852, Verlag von Wilh. Greven
14 "Adreßbuch für Köln, Deutz und Mülheim", Herausgegeben von E. Kluge, Köln 1857, Verlag von M. Lengfeld
15 "Adreßbuch für Köln, Deutz und Mülheim am Rhein", Herausgegeben von E. Kluge, Köln 1861, Verlag von Wilhelm Greven
16 "Adreßbuch für Köln, Deutz und Mülheim am Rhein", Herausgegeben von E. Kluge, Köln 1864, Verlag von Wilhelm Greven
17 "Adreßbuch für Köln, Deutz und Mülheim am Rhein", Herausgegeben von E. Kluge, Köln 1865, Verlag von Wilhelm Greven
18 "Adreß-Buch oder Verzeichniß der Einwohner der Stadt Köln", Buchdruckerei von Fr. J. Greven, 1831
19 "Aachener Zeitung", Ausgabe 08.02.1832
20 "Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westfalen", Ausgaben 08.11.1849, 09.03.1872, 21.10.1886
21 "Kölner Adress-Buch", Herausgegeben von J.G. Heyn, Köln, 1846
22 "Adreßbuch der Stadt Köln", zusammengestellt von E. Kluge, Köln 1855, Verlag von M. Lengfeld
23 "Bonner Wochenblatt", Ausgabe 02.09.1866
24 "Brauerei-Verzeichnis Deutschland", Michael Gorytzka, Manfred Friedrich, herausgegeben von der Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern e.V. (FvB), Ausgabe November 2009
25 "Adreßbuch für Köln, Deutz und Mülheim a/Rh.", Herausgegeben von Wilhelm Greven, Köln, 1874. Druck, W. Greven & A. Bechtold
26 "Kölner Lokal-Anzeiger", Ausgaben 12.06.1888, 13.10.1888, 05.12.1888, 16.04.1890, 02.03.1912, 05.03.1912
27 "Adreßbuch für Köln, Deutz und Mülheim am Rhein", Herausgegeben von Wilhelm Greven, Köln 1872, Verlag von Wilhelm Greven
28 "Adreßbuch für Köln, Deutz und Mülheim am Rhein", Herausgegeben von Wilhelm Greven, Köln 1873, Verlag von Wilhelm Greven
29 "Kölner Sonntags-Anzeiger", Ausgabe 30.12.1877, 24.07.1887, 11.09.1887, 15.01.1888
30 Grevens Adressbuch für Köln, die genaue Ausgabe ist in der Quellenreferenz angegeben
31 Kölner Stadtarchiv, Kreuterkarte 063 (Online verfügbar unter www.alteskoeln.de)
32 "Kölner Arbeiterzeitung", Ausgabe 14.07.1889
33 "Kölner Nachrichten", Ausgaben 16.07.1881, 08.08.1885, 15.08.1885
34 "Echo der Gegenwart", Ausgabe 14.06.1865