Unternehmensgeschichte der Cölner Aktien-Bierbrauerei-Gesellschaft

 
In der einschlägigen Literatur wird die Cölner-Aktien-Bierbrauerei-Gesellschaft immer als Vorgängerbrauerei der Rheinischen Brauereigesellschaft aus Alteburg aufgeführt . Dies stimmt aber nicht, es gab keine Verbindung zwischen den Brauereien in Alteburg und in Nippes, beide existierten ab dem Jahr 1873 parallel.

Die
Gründung der Cölner Aktien Bierbrauerei Gesellschaft
Die „Cölner Aktien Bierbrauerei Gesellschaft“ wurde am 5. März 1873 in Nippes (damals noch eigenständig, erst im Jahr 1888 nach Köln eingemeindet) gegründet. Ihr Stammkapital betrug 300.000 Thaler. Details sind dem folgenden Bericht aus der Kölner Zeitung zu entnehmen:
[1 (11.03.1873)] Auf Anmeldung ist heute in das hiesige Handels- (Gesellschafts-) Register unter Nr. 1403 eingetragen worden die Aktiengesellschaft unter der Firma: "Cölner Aktien-Bierbrauerei-Gesellschaft", welche ihren Sitz zu Nippes bei Cöln am Rheine hat und auf Grund eine vor Notar Bessenich zu Cöln am 1. und resp. 5 März 1873 vollzogenen Gesellschaftsvertrages (Status) errichtet worden ist. Der Zweck der Gesellschaft ist die Anlage und der Betrieb einer großen Bierbrauerei und speziell der Verkauf der in den eigenen Brauerei-Etablissements erzeugten Produkte, Malz und Bier. Die Zeitdauer der Gesellschaft ist auf 25 Jahre, vom Tage der Eintragung in das Handelsregister an gerechnet, festgesetzt. Das Grundkapital der Gesellschaft ist festgesetzt auf Dreihunterttausend Thaler und eingetheilt in 3000 auf den Inhaber lautende Aktien à 100 Thaler. Dies Grundkapital kann durch Beschluß des Aufsichtsrathes auf Dreihundertfünfzigtausend Thaler erhöht werden; weiter Erhöhungen beschließt die Generalversammlung. Alle in dem Status vorgesehene Bekanntmachungen und Aufforderungen erfolgen unter der Aufschrift: "Cölner Aktien-Bierbrauerei-Gesellschaft" zu Nippes bei Cöln am Rhein und mit der Unterschrift: "Der Aufsichtsrath" oder: "Der Vorstand", je nachdem die betreffende Veröffentlichung von dem ersteren oder dem letzteren zu ergehen hat in der "Cölnischen Zeitung" und der "Cölnischen Volkszeitung". Geht eines dieser Blätter ein, so wählt der Aufsichtsrath ein anderes an dessen Stelle. Auch außer diesem Falles steht demselben die Wahl anderer Gesellschaftsblätter an Stelle der bestehenden frei. Die eintretenden Aenderungen sind jedoch in den bisherigen Gesellschaftsblättern, soweit diese noch bestehen und zugänglich sind, durch den Aufsichtsrath bekannt zu machen. Die Generalversammlungen werden in Cöln abgehalten und durch den Aufsichtsrath wenigstens drei Wochen vorher mittels Bekanntmachung in den Gesellschaftsblättern unter Angabe der Tages-Ordnung berufen. Im Monate November eines jeden Kalenderjahres findet eine ordentliche General-Versammlung statt, außerordentliche General-Versammlungen können nur in Cöln auf Berufung des Aufsichtsraths Statt finden oder wenn Aktionäre, die mindestens den zehnten Theil des Aktien-Kapitals repräsentieren, darauf antragen. Der Vorstand besteht aus einem durch den Aufsichtsrath zu ernennenden Direktor. Die Ernennung des Direktors erfolgt zu notariellem Protokolle, dessen Ausfertigung zu seiner Legitimation dient. Der derzeitige Vorstand (Direktor) der Gesellschaft ist: Gustav Schwabe, Kaufmann, früher in Dresden, jetzt in Cöln wohnend. Cöln, den 5. März 1873.
Damit war die „Cölner Actien-Bierbrauerei-Gesellschaft“, nach der ein Jahr vorher gegründeten „Cöln-Niedermendiger Actienbrauerei“, die zweite Kölner Aktienbrauerei überhaupt.
 
(BKC001)
Brief aus dem Jahr 1874 auf Briefpapier der Cölner Actien-Brauerei-Gesellschaft. Der Inhalt des Briefes hat nichts mit der Brauerei zu tun, es geht um eine Erbsache, die dann noch vom Oberbürgermeister beglaubigt wurde "...Unterzeichneter leistet, zu Gunsten seines ältesten Bruders Louis, verzicht auf den Nachlaß seiner Mutter..."
(unbekannte Sammlung)
(BKC001D)
Detailvergrößerung der Brauerei-Adresse
                             

Der Initiator Philipp Overlack
Initiiert wurde der Bau der Brauerei durch Philipp Overlack, einem umtriebigen Kaufmann aus Köln, der in verschiedene Branchen tätig war, eine eigene Firma führte (Phil. Overlack & Co.) und auch den Titel eines Consuls von Ecuador sowie den Titel eines großherzoglichen mecklenburgischen Consuls trug [2]. Im Februar 1871 ging Philipp Overlock auf die Suche nach Geldgebern und am 29. Februar 1872 kaufte er ein Gründstück von 11 Morgen (ca. 28.000 m²) in Nippes und begann mit dem Bau der Brauerei. Von Anfang an dabei war auch Karl Gäns, Baumeister zu Roisdorf bei Bonn. Beide schlossen am 2. November 1872 einen Vertrag zum Ausbau der Brauerei mit Matthias Krudewig ab. Dieser sollte die Gebäude mit den notwendigen Maschinen bestücken und schloss hierfür unter anderem einen Liefervertrag mit Chemnitzer Maschinenfabrik ab. Der Bau schritt fort, war aber nicht pannenfrei. Im Dezember 1872 stürzte ein Teil der Grundmauer ein.
Wo genau die Brauerei in Nippes lag ist leider unbekannt. Ungewöhnlich war, dass der Vorstand nur 2 Monate nach der Gründung schon neu besetzt wurde:
[1 (30.05.1873)] „…Auf Anmeldung ist bei Nr. 1403 des hiesigen Handels- (Gesellschaft-) Registers, woselbst die Aktiengesellschaft unter der Firma: "Cölner Actien-Bierbrauerei-Gesellschaft" zu Nippes bei Cöln am Rheine vermerkt steht, heute eingetragen worden, daß der Aufsichtsrath der Gesellschaft gemäß Akt des Notars Bermbach dahier vom 24. I. M. Mai an Stelle des bisherigen Vorstandes der Gesellschaft, nämlich des früher in Dresden, jetzt in Cöln wohnenden Kaufmannes Gustav Schwabe, den in Cöln wohnenden Kaufmann Wilhelm Bernsau zum Vorstand der Gesellschaft gewählt hat. Cöln, den 26. Mai 1873…“
So richtig lange hielt sich auch Wilhelm Bernsau nicht an der Spitze der Brauerei, 3 Monate später wurde der Vorstand erneut neu besetzt:
[1 (08.09.1873] „…Auf Anmeldung ist bei Nr. 1403 des hiesigen Handels- (Gesellschafts-) Registers, woselbst die Aktiengesellschaft unter der Firma: "Cölner Aktien-Bierbrauerei-Gesellschaft" zu Nippes bei Cöln am Rhein vermerkt steht, heute eingetragen worden, daß der Aufsichtsrath der Gesellschaft gemäß Akt des Notars Bermbach dahier vom 2. I. M. September an Stelle des bisherigen Vorstandes der Gesellschaft, nämlich des in Köln wohnenden Kaufmannes Wilhelm Bernsau, den früher in Hannover, jetzt zu Cöln wohnenden Johann Friedrich Wisloh zum Vorstand der Gesellschaft gewählt hat. Cöln, den 4. September 1873…]
Die Hintergründe hierfür folgen später.
(W034) [1]
Philipp Overlack, der Konsul, tanzte auf vielen Hochzeiten, Auf dieser Anzeige vom  1. Januar 1872 als Delegierter für Rheinpreussen für die Internationale polytechnische Ausstellung in Moskau
(W035) [1]
Werbung für die Firma "Phil. Overlack & Co.". Im Angebot Schreibwaren aller Art

Die
Anlaufschwierigkeiten
Zuerst startete im Oktober 1873 der Eisverkauf. Daraus lässt sich schließen, dass die Brauerei zu diesem Zeitpunkt, als eine der ersten Brauereien überhaupt, mit einer Eismaschine ausgestattet war. Im November startete dann der Malzverkauf und am 17.12.1873 wurde in einer Anzeige (W029) der Start des Bierverkaufs angekündigt. So richtig erfolgreich startete der Bierverkauf aber nicht. Die Qualität schien nicht gepasst zu haben ([2] „…Das Bier war aber derartig, daß Keiner, welcher davon bezogen hatte, eine zweite Bestellung machte…“) und es scheint, dass sich die Brauerei im Vorfeld auch keine Lieferverträge mit Gaststätten gesichert hatte.
Am 24.02.1874 wurde dann in einer Anzeige erneut der Start des Bierverkaufs angekündigt.
(W029) [1]
Anzeige für den Start des selbst hergestellten Eises vom 25.10.1873. Hieraus ist zu schließen, dass die Brauerei damals, als eine der ersten in Deutschland überhaupt, mit einer Anlage zur Eiserzeugung ausgestattet war
 
(W030) [1]
Anzeige für den Start des Verkaufs von Abfallprodukten der Bierherstellung vom 16.11.1873
(W031) [1]
Erste Ankündigung des Starts der Bierlieferung von "feinem Lagerbier". Anzeige vom 17.12.1873
(W032) [1]
Zweite Ankündigung des Starts der Bierlieferung von "Nippeser Tafelbieres". Anzeige vom 24.02.1874
(W033) [1]
Dritte, jetzt schon verzweifelte Ankündigung des Starts der Bierlieferung inkl. Preisreduzierung. Anzeige vom 12.06.1874 

Die
Liquidation
Auf einer außerordentlichen Generalversammlung am 25. April 1874 taten Gerüchte über eine Unterfinanzierung ihr übriges, die Aktionäre wählten den kompletten Aufsichtsrat ab und besetzten diesen neu. Vorsitzender des Aufsichtsrats wurde Sigmund Seligmann, der direkt mit einer Buchprüfung beauftragt wurde.
Resultat der Buchprüfung war die Einberufung einer weiteren außerordentlichen Generalversammlung für den 9. Juni 1874. Auf der Tagesordnung stand der Antrag zur Liquidierung der Brauerei:
[1 (20.05.1874)] "...Tagesordnung: Auf Antrag des Aufsichtsrathes wolle die berufene General-Versammlung der Actionaire die Liquidation der Gesellschaft beschließen und einen oder mehrere Liquidatoren ernennen. Der Aufsichtsrath, S. Seligmann. Der Director, Joh. F. Wisloh…“
Die Prüfung der Bücher durch Sigmund Seligmann hatte ergeben, dass quasi alle Zahlen gefälscht waren:
[2] „…Aus dem Cassabuch, das Overlack in der General=Versammlung übergeben hatte, habe sich herausgestellt, daß alle im Hauptbuche eingetragenen Zahlungen unwahr gewesen wären. Aus der Copie des Gründungsactes habe sich herausgestellt, daß keine 300,000 Thlr., sondern nur etwa 38,000 Thlr. gezeichnet und voll eingezahlt worden wären; die Gesellschaft habe sofort das ganze Maschinenconto, das Gasconto und an dritte Personen 43,000 Thlr. verschuldet. Dabei seien die Immobilien mit einer Hypothek von 72,000 Thlr. belastet, 115,000 Thlr. durch keine Actien gedeckt und 177,000 Thlr. nicht bezahlter Actien vorhanden gewesen. Von den Einzahlungen sei gebaut worden. Es sei nicht möglich gewesen, unter den Umständen das Geschäft zu führen. Das Falliment sei schon bei der Entstehung der Actien=Gesellschaft da gewesen. Durch Wechsel=Manipulationen habe man das Geschäft künstlich aufrecht erhalten…“
Es waren gar nicht alle Aktien gezeichnet worden, es gab nicht ausgewiesene Schulden und die Herren Overlack und Gäns schienen Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Im Juni wurde noch mal eine Anzeigenkampagne mit reduzierten Bierpreisen gestartet, aber die Brauerei war nicht mehr zu retten. Als erste Konsequenz am 14. August 1874 die Liquidation beschlossen und Kaufmann Seligmann zum Liquidator ernannt. Offiziell wurde die Liquidation am 11. Januar 1875 durchgeführt:
[1 (12.01.1875)] „…Falliments-Anzeige (Anm.: Falliment ist ein veralteter Ausdruck für Konkurs) Durch Urtheil vom 8. Januar 1875 hat das Königliche Handelsgericht zu Köln die Actiengesellschaft unter der Firma:„Kölner Actien=Bierbrauerei= Gesellschaft", welche ihren Sitz zu Nippes bei Köln am Rhein hat, fallit erklärt, den Eintritt der Zahlungs=Einstellung vorläufig auf den 7. l. M. Januar festgesetzt, die Anlegung der Siegel verfügt, den Herrn Ergänzungsrichter Farina zum Commissar und den in Köln wohnenden Advocaten Herrn Klein zum Agenten des Falliments ernannt. Gegenwärtiger Auszug wird in Gemäßheit des Art. 457 des Rheinischen Handelsgesetzbuches hiermit beglaubigt. Köln, den 11. Januar 1875…“

Der Betrüger Philipp Overlack
Als weitere Konsequenz wurden Philipp Overlack und Karl Gäns wegen Unterschlagung und Betruges angeklagt. Der Prozess begann am 8. November 1875. Das Urteil wurde am 26. November gefällt und beide Angeklagte wurden schuldig gesprochen und mussten ins Gefängnis:
[1 (26.11.1875)] „…Kölner Local-Nachrichten. Köln, 26. November. In dem Gründerprocesse gegen den General=Consul Philipp Overlack von hier und den Baumeister Karl Gänz von Roisdorf wurde heute vom Zuchtpolizeigericht das Urtheil gesprochen. Overlack wurde zu einer Gefängnißstrafe von einem Jahr und zum Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zwei Jahren, Gäns zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Zugleich wurde Overlack dauernd der öffentlichen Aemter, Titel, Würden und Ehrenzeichen für verlustig erklärt…“
Damit war Philipp Overlack nicht nur seiner Freiheit, sondern auch seiner ganzen schönen Titel verlustig. Die Firma „Phil. Overlock & Co.“ hatte er bereits 1 Jahr zuvor an seinen Sohn Arthur Michael Overlack übertragen, welcher auch seinen Titel als stellvertretender Consul verlor. Vermutlich dachte er die Euphorie der industriellen Bierherstellung nutzen zu können um seine
Was aus Gebäude und Einrichtung der Brauerei geworden ist, ist leider nicht bekannt.
(W037) [1]
"Bitte um Hülfe" für ein kleines Dorf in der Pfalz. Spenden nahm Philipp Overlack entgegen. Ob davon etwas bei den Hilfsbedürftigen angekommen ist?
(W037) [1]
Bitte um Spenden für Überschwemmungsopfer an der Ostsee. Spenden nahm wie immer der Consul entgegen. Auch hier sei die Frage erlaubt, ob etwas davon an der Ostsee angekommen ist

Fazit
Ob die Brauerei von Anfang an als Betrugsobjekt geplant war, ist unklar. In dieser Zeit herrschte gerade Aufbruchsstimmung, insbesondere, was die maschinelle Herstellung von Bier betraf. Vielleicht sah Philipp Overlack auch nur eine Chance schnell zu Geld zu kommen. Schnell wurde aber klar, dass das Ganze nicht so einfach wie geplant war. Schon sehr früh griff Overlack zu kriminellen Tricks. Er ignorierte, dass nur 36.400 Thaler von den insgesamt 300.000 Thaler Stammkapital gezeichnet wurden und finanzierte den Bau der Brauerei durch Schulden. Schon in dieser Zeit zweigten Overlack und Gäns Geld in ihre eigenen Taschen ab. Hinzu kam dann, das die Errichtung einer Brauerei mit modernen Produktionsmitteln noch keinen wirtschaftlichen Erfolg sichert. Zum einen muss das Produkt überzeugen und zum zweiten müssen Absatzstellen gefunden und gesichert werden. Beides war nicht der Fall und das nur sehr wenig Geld durch den Verkauf der Produkte hereinkam, brach das kriminelle Konstrukt schnell zusammen.Eine sehr ausführliche Beschreibung des Prozesses aus der Kölner Zeitung finden Sie weiter unten.

Firmierungen:
Zeitraum Firmierung Anmerkung
1873- 1874 Cölner Actien-Bierbrauerei-Gesellschaft Am 5. März 1873 offizielle gegründet, am 14. August 1874 Liquidation beschlossen und am 11.01.1875 offiziell liquidiert.
 

Anmerkungen
» Es soll nicht verschwiegen werden, dass der Philipp Overlack auch einmal etwas Gutes getan hat. Im Jahr 1866 spendete er sage und schreibe 5 Thaler für den „Verein zur Unterstützung im Felde verwundeter Krieger“
» Philip Overlack war „vielseitig“ tätig. Er war Inhaber der Fa. Overlack & Co., General-Agent der Magdeburger Lebens-Versicherungs-Gesellschaft, General-Konsul für Ecuador, großherzoglich mecklenburgischer Konsul, ...
 
Der Bericht über den Gerichtsprozess gegen Philipp Overlack und Karl Gäns [2]
Kölnische Zeitung vom 11. November 1875, Ein Gründerproceß.
Am Montag Morgen 9 Uhr begann vor dem hiesigen Zuchtpolizeigerichte auch ein Gründerproceß. War diese moderne Gründung auch nicht von großartiger Bedeutung hinsichtlich der in derselben figurirenden Summen noch des angerichteten Schadens, so war dieser Proceß dennoch der erste in der Reihe dieser Processe, die in Kölns Mauern, das auch von jenem Schwindelfieber der Milliardenjahre nicht frei geblieben, noch abgewickelt werden sollen. Dies und nicht minder die Persönlichkeit des Hauptbeschuldigten, in weiten Kreisen unserer Stadt bekannt, hatte eine Menge Zuhörer herbeigelockt. Angeklagt sind Philipp Overlack, General=Consul für Ecuador, großherzoglich mecklenburgischer Consul und Kaufmann zu Köln, und Karl Gäns, Baumeister zu Roisdorf bei Bonn, ersterer als Mitglied des Aufsichtsraths der zu Nippes bei Köln gegründeten „Kölner Actien=Brauerei".
Schon im Februar 1871 tauchte bei dem Angeklagten Overlack die Idee zur Gründung einer Actien=Brauerei in Nippes auf und constituirte sich eine Gesellschaft mit einem Grundcapital von 400,000 Thlr. zu Actien von 100 Thlr. Es wurden Prospecte und Einladungen zur Zeichnung von Actien erlassen und gesagt, es seien schon bedeutende Einzahlungen gemacht und durch hiesige und auswärtige Banquiers das ganze Unternehmen gedeckt. Es zeichneten wirklich verschiedene Personen 356 Actien, woran u. A. das Bankhaus Holthausen in Crefeld mit 6000 Thlr. betheiligt war, und so kam ein Capital von 35,600 Thlr. zusammen; Overlack selbst hatte sich mit eigenem Vermögen nicht an den Zeichnungen betheiligt. Schon bald nachher mußte sich die Gesellschaft auflösen. Overlack und Baumeister Gäns, welcher Actionär war, handelten aber gleichwohl, als wenn eine Gesellschaft bestände. Sie kauften am 29. Februar 1872 ein Grundstück von 11 Morgen für 4000 Thlr. und fingen an, die Brauerei zu bauen. Das Geld nahmen sie von den Einzahlungen auf die Actien her. Sie verließen aber den Gedanken nicht, eine Actiengesellschaft, die dies alles übernehmen sollte, zu gründen. Overlack verfügte über die vorhandenen Actien, als seien sie sein Eigenthum. Er verkaufte nämlich im August 1872 an den Bezirksrath v. Haupt zu Bamberg zehn Actien und berechnete für sich in seine eigene Tasche 150 Thlr. Zinsen. Es waren dies Actien, welche noch nicht vergeben waren, deren Erlös er in die Casse der zu gründenden Gesellschaft führen mußte. Er buchte aber den Erlös zu 850 Thlr., als wenn er die zehn Actien zu einem niederen Course von 85 verkauft hätte, während er sie in Wirklichkeit al pari zu 100 macht 1000 Thlr., verkauft hatte.
Overlack und Gäns hatten von Anfang an mit dem Techniker Matthias Krudewig, von dem Overlack die erste Anleitung zu der Gründung erhalten haben will in Verbindung gestanden. Sie schlossen mit Krudewig am 2. Nov. 1872 einen Vertrag ab, wonach dieser für 210,000 Thlr. die Brauerei ausbauen sollte. Um die nöthigen Maschinen für die Brauerei zu erhalten, schloß Gäns mit der chemnitzer Maschinenfabrik einen Vertrag ab, den Overlack unterzeichnete. Schon im December 1872 ließ er sich bei einer Zahlung an die chemnitzer Fabrik eine Provision von 200 Thlr. geben, als wenn das nur ein Privatvertrag zwischen ihm und der Fabrik gewesen wäre. Krudewig trat bald von dem Vertrage wieder zurück und übertrug Gäns den Bau im Einverständniß mit Overlack. Krudewig hat eine Entschädigungsklage gegen Overlack hernach angestellt, weil er bei dessen eigenmächtigem Vorgehen nicht habe bauen können. Die Klage schwebt noch vor dem Appellhof.
Uebrigens war derart schlecht an der Brauerei gebaut worden, daß im December 1872 ein Theil der Grundmauer einstürzte, was einen Schaden von 3000 Thlr. verursachte. Es kam zur Sprache bei der Verhandlung, daß die Bausumme von 210,000 Thlr. nicht ernstlich gemeint gewesen sein sollte, sondern daß zwischen Overlack und Krudewig ein Uebereinkommen dahin getroffen worden wäre, wonach nur 160,000 Thlr. verbaut und 50,000 Thlr. als Gründergewinn getheilt werden sollten. Die Interessenten leugneten dies und die Anklage war nicht im Stande, es zu beweisen.
Overlack und Gäns reducirten das im Februar 1872 auf 400,000 Thlr. festgesetzte Grundcapital auf 300.000 Thlr. und constituirten sich am 1. März 1873 als Actien=Gesellschaft. An dem Tage ließen sie vor Notar Bessenich hierselbst einen Vertrag thätigen, wonach sie, der Kaufmann Eduard Overlack von Düsseldorf, der Bruder des Beschuldigten, und der hiesige beigeordnete Handelsgerichts=Sekretär Karl Bartholomäus, eine Actien=Gesellschaft unter dem Namen „Kölner Actien=Brauerei in Nippes“ und mit einem Grundcapital von 300,000 Thlr., bestehend in 3000 auf den Inhaber lautenden Actien von 100 Thlr., bildeten. Sie überreichten dabei die Schemas für Talons und Dividendenscheine, Notar Bessenich faßte diesen Gründungsact auf Grund eines von den Beschuldigten vorgelegten Concepts ab. Nach diesem Act sollte der Beschuldigte Overlack 150,000 Thlr. Actien, Gäns 120,000 Thlr., Eduard Overlack 28,000 Thlr. und Bartholomäus 2000 Thlr. Actien gezeichnet haben und es sollten auf jede Actie 40 pCt. eingezahlt worden sein. Die Beschuldigten konnten dies aber durch nichts beweisen und Eduard Overlack so wie Bartholomäus erklärten, daß sie weder gezeichnet noch viel weniger eingezahlt, sondern daß sie nur als Strohmänner bei dem Act figurirt und von dem Beschuldigten einen Revers in der Tasche gehabt hätten, daß sie keine Zeichner von Actien seien. Diese vier Personen constituierten sich nun als erste Generral-Versammlung, wählten Philipp Overlack, Karl Gäns und Karl Bartholomäus als Mitglieder des Aufsichtsraths und cooptirten Eduard Overlack als solches. Philipp Overlack war zum Vorsitzenden des Aussichtsraths, Gäns zu dessen Stellvertreter und der Kaufmann Gustav Schwab zum Director von ihnen ernannt worden. Am 5. März desselben Jahres erschien Consul Overlack in Begleitung des Herrn Schwab vor dem Handelsgerichte Behufs Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister und bekundete auch dort dieselben Ausgaben über Zeichnung der Actien und Einzahlung von 40 pCt.
Schwabe trat schon am 26. Mai 1873 zurück, angeblich, weil er seine Caution nicht erlegte, nach anderen Angaben aber, weil er kein Vertrauen in die Gründung setzte. An seine Stelle wurde ein früherer Commis von Consul Overlack Namens Bernsau als Director eingesetzt, dem im August der Kaufmann Johann Wisloh aus Bremen folgte. Demselben war bekannt geworden, daß die Stelle vacant, und er hatte sich an Consul Overlack gewandt und zu der Stelle gemeldet. Nach schriftlichen Unterhandlungen mit Overlack verpflichtete er sich zur Stellung einer Caution von 10,000 Thlr., wovon er gleich in Baar und Accept auf seinen Schwiegervater 5300 und bei seiner Ankunft in Köln den Rest in Actien der Gesellschaft erlegte. Doch schon am 24. September trat auch Wisloh zurück mit einem Verlust von 6640 Thlr. Schon traute man dem Unternehmen nicht mehr. Doch wußte Ende 1873 in einer ersten Generalversammlung der Actionäre der Vorsitzende des Aussichtsrathes, Consul Overlack, die Lage noch so günstig darzustellen, daß man sich zufrieden gab.
Allein in einer Generalversammlung im April 1874 trat das Mißtrauen schon offen zu Tage und wurden die bisherigen Mitglieder des Aufsichtsrathes entfernt und in denselben die Herren Sigm. Seligmann hier, Rentner Leyken von Wesel und Kaufmann Jul. Meyer neu gewählt. Seligmann von hier, der inzwischen von Herrn Bartholomäus mit einer genauen Revision der Bücher und dem Stande des Unternehmens beauftragt worden war, berief am 4. Juli eine Generalversammlung, in der er den Stand der Gesellschaft klar darlegte, wonach nur durch neue Zuschüsse der Actionäre dieselbe noch zu halten sei. Am 14. August 1874 wurde Liquidation beschlossen und Kaufmann Seligmann zum Liquidator ernannt.
Am 8. Januar dieses Jahres brach bereits das Falliment der Gesellschaft aus, die schon von Anfang an nicht leistungsfähig und verschuldet war und bei der, wie der Ober=Procurator in seinem Plaidoyer hervorhob, die Angeklagten nur auf den damals herrschenden Unternehmungsgeist der Leute speculirt hatten. Wie sich aus den Aussagen der Zeugen, den Büchern und theilweise den Aussagen der Angeklagten selbst ergab, war die Erklärung vor Notar Bessenich, wo Consul Overlack das Concept des zu bethätigenden Vertrages übergeben und er und Gäns die Hauptunterhändler waren, während Ed. Overlack und Bartholomäus nur als Strohmänner figurirten, über die Zeichnungen der Actien und der Einzahlung von 40 pCt. unwahr, eben so auch die von Consul Overlack und Schwabe, der auch nach Ansicht der Zeugen mehr als Werkzeug Overlack's handelte, vor dem Handelsgerichte wiederholte Angabe über Zeichnung und Einzahlung. Ed. Overlack und Bartholomäus haben geradezu anerkannt und erklärt, daß sie nichts gezeichnet. Ed. Overlack wurde sogar später von den Angeklagten verklagt, seinen Verbindlichkeiten zur Einzahlung von 40 pCt. nachzukommen, und als Bartholomäus überredet war, mit in den Verwaltungsrath einzutreten, und er nach seiner Aussage darauf hinwies, daß er kein Capital habe zu solchen Anlagen und es doch angemessen sei, daß das Geld für zwanzig Actien, also 2000 Thlr., da sein müsse, wurde ihm bedeutet, daß dieser Fall schon vorgesehen sei und man die zwanzig Actien aus den vorhandenen Actien entnehme, so wie ihm ein Revers von Overlack ausgestellt, wonach er von allen Verbindlichkeiten frei sei.
Bezüglich der Einzahlung der 40 pCt. behaupteten Philipp Overlack und Gäns, daß sie diese 40 pCt. des Grundcapitals in die Actien=Gesellschaft eingebracht hätten, nämlich 35,600 Thlr. von der früher fehlgeschlagenen Gründung und das Grundstück so wie die Brauerei in Nippes. Gäns will 3000 Thlr. in die Gesellschaft eingeworfen haben. In dem Gründungsacte, d. h. dem Gesellschaftsvertrage, war aber von alle dem keine Rede. Es hätte dies aber nach Art. 209 des Gesetzes betreffend die Commandit=Gesellschaft auf Actien und die Actien=Gesellschaften geschehen müssen. Wer den dem Notar Bessenich vorgelegten Gründungsact redigirt hatte, konnte nicht ermittelt werden; der Rechtsbeistand Overlack's stellte dies entschieden in Abrede. Auf Grund aufgestellter Taxen wurden bald nach Gründung der Actien=Gesellschaft von Overlack bei der Sparcasse zu Warendorf 72,000 Thlr. aufgenommen und dafür die Brauerei als Hypothek gegeben.
Die Maschinenfabrik in Chemnitz, welche für 33,200 Thlr. Maschinen lieferte, wurde meistens in Wechseln bezahlt. Ueberhaupt wurde jetzt gegenseitig Wechselreiterei getrieben. Im Juni und im September 1873 ließ sich auch Overlack von der chemnitzer Maschinenfabrik wieder je 200 Thlr. Provision geben, wie er sich bereits einmal 200 Thlr. bei Anschaffung von Maschinen hatte geben. lassen. Ueber das Verhältniß zu Wisloh gab dieser selbst folgenden Aufschluß Wisloh hatte sich als Director gemeldet und deßhalb an Overlack geschrieben, dieser ihm das Verhältniß der Stelle auseinandergesetzt und ein Gehalt von 1800 Thlr., dazu ein Ohmgeld von 1½ Sgr. von jeder über eine gewisse Anzahl gebrauten Ohm und außerdem eine Tautième von 2½ pCt. unter Garantie von wenigstens 1000 Thlr. vom Reingewinn und freie Wohnung und Brand zugesagt. Er habe eine Caution von 10,000 Thlr. zu stellen, die im Falle des Ausscheidens oder der Entlassung ihm zurückerstattet werde; daß das ganze Vermögen der Gesellschaft für die Caution hafte und die Caution gleich den übrigen Actieneinzahlungen Berechtigung auf Verzinsung habe. Im Juli, sagte Wisloh aus, sei er nach Köln gekommen, habe sich das Etablissement angesehen und den Bau noch sehr zurück gefunden; es sei ihm erklärt worden, am 15. August solle Alles fertig sein. Er habe dann, als er am 15. August nach Köln gekommen, 4500 Thlr. in Baar und ein Accept von 800 Thlr. auf seinen Schwiegervater erlegt, und habe Alles noch immer weit zurück gefunden. Overlack habe ihm Ende August erklärt, wenn er binnen 24 Stunden den Rest der Caution nicht erlege, könne der Vertrag nicht zu Stande kommen. Als Wisloh nun antwortete, daß nachtheilige Gerüchte über Overlack gingen, habe letzterer erwidert, daß ihn die Leute nur beneideten wegen seiner hohen Stellung als Consul und daß er Ritter so vieler Orden sei. Auch habe ihm Overlack das Cassabuch vorgelegt und ihm sein Conto von 48,000 Thlr. gezeigt, das er, sein ganzes Vermögen, eingezahlt habe, eben so die Einzahlungen der übrigen Herren hätten darin eingetragen gestanden. Dies habe ihn veranlaßt, den Rest der Caution zu zahlen; er habe sich durch die hohe Stellung des Angeklagten als Consul und Ritter so vieler Orden täuschen lassen. Da ihm nun das Ultimatum zur Zahlung des Restes seiner Caution gestellt worden, wonach sonst der Vertrag nicht perfect werde, und er gefürchtet, seine eingezahlten Gelder zu verlieren, habe er sich Actien, u. A. für 3000 Thlr., bei Holthausen in Crefeld verschafft und diese hinterlegt. Die Actien erhielt Wisloh nach ausgebrochenem Falliment zurück und gab sie seinerseits wieder dem Bankhause Holthausen zurück, so daß er sein eingelegtes Baar und Kosten und Zinsen, im Ganzen 6440 Thlr., verlor.
Im September 1873 berechnete sich Overlack von M. Gütermann in Nürnberg, als dieser gekaufte Actien zahlte, 50 Thlr. Zinsen. Ein eigenes Geschäftchen machte Gäns mit Coupons von 204 Actien. Diese Coupons, welche, wie die Anklage behauptet, der Gesellschaft gehörten, sandte Gäns an den Director Wisloh, um sie einzulösen. Da dieser aber nicht darauf einging, gab er sie dem Kaufmann Ferdinand Cassel von hier, dessen Schuldner er war, als Zahlung. Dieser gab sie seinem Schwager, dem Wirth Braun von hier, welcher damit von der „Kölner Actien=Brauerei" erhaltenes Bier bezahlte. So kamen diese faulen Coupons wieder zurück in die Hand der Gesellschaft.
Die Brauerei war im September 1872 fertiggestellt und in Betrieb gesetzt worden. Das Bier war aber derartig, daß Keiner, welcher davon bezogen hatte, eine zweite Bestellung machte. Da das Geschäft nicht voranging und schließlich Overlack kein Geld mehr schaffen konnte, so brach bald, wie oben mitgetheilt, der Zusammensturz des so luftig gegründeten Unternehmens herein.
Interessant waren die Auslassungen des Liquidators Herrn Kaufmanns Sigmund Seligmann. Derselbe sagte im Wesentlichen Folgendes aus: Aus dem Cassabuch, das Overlack in der General=Versammlung übergeben hatte, habe sich herausgestellt, daß alle im Hauptbuche eingetragenen Zahlungen unwahr gewesen wären. Aus der Copie des Gründungsactes habe sich herausgestellt, daß keine 300,000 Thlr., sondern nur etwa 38,000 Thlr. gezeichnet und voll eingezahlt worden wären; die Gesellschaft habe sofort das ganze Maschinenconto, das Gasconto und an dritte Personen 43,000 Thlr. verschuldet. Dabei seien die Immobilien mit einer Hypothek von 72,000 Thlr. belastet, 115,000 Thlr. durch keine Actien gedeckt und 177,000 Thlr. nicht bezahlter Actien vorhanden gewesen. Von den Einzahlungen sei gebaut worden. Es sei nicht möglich gewesen, unter den Umständen das Geschäft zu führen. Das Falliment sei schon bei der Entstehung der Actien=Gesellschaft da gewesen. Durch Wechsel=Manipulationen habe man das Geschäft künstlich aufrecht erhalten. Wohin die an Overlack gezahlten Provisionen geflossen, habe er nicht ermitteln können. Overlack habe immer behauptet, er sei in den Krudewig'schen Vertrag eingesetzt worden, habe aber nicht angeben können, wer ihn eingesetzt. Derselbe habe sich überhaupt nicht über das Verhältniß zu Krudewig ausgesprochen. Beide Verklagte hätten nie einen Groschen aus ihrer Tasche bezahlt. Er betrachte den Director Bernsau, von dem Overlack den Auftrag erhalten haben will, den Bau auf eigene Schultern zu übernehmen, als Strohmann. Einige dreißig Personen hätten 35,000 Thlr. eingezahlt. Er habe erklärt, als Gäns wegen der Bauführung Ansprüche an die Gesellschaft gemacht, daß demselben eine Bau=Tantième zustände. Gäns habe übrigens genau das Unternehmen der Gesellschaft gekannt. Overlack habe die Accepte der Gesellschaft zu andern Verpflichtungen verwandt.
Advocat=Anwalt Klein sagte als Agent des Falliments u. A. aus, in den Büchern der Gesellschaft spiele das Conto Overlack=Gäus die Hauptrolle. Das Grundstück in Nippes hätten Overlack=Gäns nie erworben, sondern Bernsau habe es in seiner Eigenschaft als Director für die Gesellschaft gekauft. Bernsau sei früher Commis des Overlack gewesen. Er habe sich davon überzeugt, daß am 5. März 1873 nichts in die Casse eingezahlt worden sei. Overlack und Gäns hätten aus Mitteln der Gesellschaft, nicht aus eigenen, gebaut. Das Geschäft sei nie ein lebensfähiges gewesen. Die Aussichten für die Gläubiger seien vollständig null. Was von den Activen zur Vertheilung kommen werde, sei der Erlös aus dem Mobiliar=Vermögen mit nicht ganz 10,000 Thlr. Er habe eine Taxe über das Ganze, Immobilien und Maschinen, anfertigen lassen. Diese betrage 75,000 Thlr. Die Experten, welche für Overlack die Immobilien und Maschinen abgeschätzt hatten, gingen über die vorstehende Tare hinaus und wichen selbst wieder weit voneinander ab. Bau=Inspector Hermann Pflaume hatt die Immobilien und Maschinen zu 110,000 Thlr. Tariert, Joh. Ant. Wallé, Baumeister und Lehrer an dder Provincial=Gewerbeschule, zu 224,000 Thlr., darunter waren nach Ersterem die Maschinen, welche 33,200 Thlr. gekostet haben, 30,000 Thlr, werth, nach Letzterem 63,000 Thlr. Wallé taxirte auch das zum Preise von 4000 Thlr. erworbene Grundstück zu 25,000 Thlr. Die Anklage ging nun gegen General=Consul und Kaufmann Ph. Overlack in Köln sowie Baumeister Karl Gäns, in Reisdorf bei Bonn wohnhaft, dahin:
1) als Mitglieder des Aufsichtsrathes der zu Nippes gegründeten Gesellschaft „Kölner Actien=Brauerei“ in dem am 1. März 1873 vor Notar Bessenich zu Köln gethätigten Gründungsacte resp. am 5. März 1873 auf dem Handelsgerichts=Secretariat ju Köln vorsätzlich Behufs der Eintragung des Gesellschafts=Vertrages in das Handels=Register falsche Angaben über die Zeichnung und Einzahlung des Grundcapitals gemacht zu haben (Art. 349 Nr. 1 des D. H.=G.=B. vom 11. Juni 1870);
2) Overlack, im August 1873 zu Köln den Johann Friedrich Wisloh um 6440 Thlr. betrogen zu haben (§, 263 des St.=G.=B.);
3) Overlack, zum Nachtheile der Kölner Actien= Brauerei: a. im August 1872 einen von dem Bezirksrathe v. Haupt zu Bamberg erhaltenen Betrag von 150 Thlr., b) im September 1873 einen von M. Gütermann in Nürnberg erhaltenen Betrag von 50 Thlr. unterschlagen zu haben(§. 246 des St.=G.=B.);
4) Overlack, zum Nachtheile der Kölner Actien=Brauerei im December 1872, im Juni 1873 und im September 1873 je 200 Thlr. unterschlagen, jedenfalls in den Fällen ad 3. und 4. als Vorsitzender des Aufsichtsrathes der Kölner Actien=Brauerei und als Bevollmächtigter derselben über die von v. Haupt und M. Gütermann gezahlten Beträge von 150 bezw. 50 Thlr. und die von der Chemnitzer Maschinenfabrik vergütete sog. Provision von 600 Thlr. absichtlich zum Nachtheile der Kölner Actien=Brauerei, seines Auftraggebers, verfügt zu haben, um sich einen Vermögensvortheil zu verschaffen(§. 266-Nr. 2 des St.=G.=G.);
5) Gäns, im Laufe des Jahres 1874 zu Köln die Coupons Nr. 1 betreffend Zinsen per 1. März / 1. October 1873 von 204 Actien der „Kölner Actien=Brauerei" zu deren Nachtheil unterschlagen, jedenfalls als Aufsichtsrath und Bevollmächtigter der gedachten Gesellschaft veruntreut zu haben.
Der Vertreter des Oeffentlichen Ministeriums, Herr Staats=Procurator Weyer, hielt die Klage in allen ihren Theilen aufrecht und war der Meinung, daß Overlack und Gäns auf den Unternehmungsgeist der Leute speculirt haben. Er sprach sich gegen die Annahme mildernder Gründe aus, weil die Beschuldigten nicht aus Noth, sondern aus Leidenschaft gehandelt hätten, zu den gebildeten Leuten gehörten und auch kleine Leute, u. A. ein Feldwebel, ein Caplan und ein Versicherungsbeamter, durch diese Gründung von Verlusten getroffen worden wären. Er beantragte gegen Overlack eine Gefängnißstrafe von 3 Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehreirechte auf die Dauer von 5 Jahren, gegen Gäns eine Gefängnißstrafe von 1 Jahr und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren. Die Vertheidigung des Overlack wurde vom Herrn Advocat=Anwalt Emil Schmitz in mehr denn einstündiger glänzender Rede geführt. Herr Advocat=Anwalt Hauck, welcher für Gäns plaidirte, schloß sich den Ausführungen seines Collegen im Großen und Ganzen an. Der Gerichtshof setzte, wie bereits mitgetheilt, nach kurzer Berathung die Verkündigung des Urtheilsspruches auf 14 Tage, also auf Montag den 22. d. M, aus.
 
 
 
Quellen
1 Kölnische Zeitung, Ausgaben: 02.06.1872, 11.03.1873, 30.05.1873, 08.09.1873, 25.10.1873, 16.11.1873, 17.12.1873, 20.12.1873, 21.01.1874, 24.02.1874, 31.03.1874, 20.05.1874, 21.05.1874, 12.06.1874, 13.06.1874, 14.06.1874, 15.06.1874, 16.06.1874, 17.06.1874, 20.06.1874, 14.07.1874, 13.11.1874, 12.01.1875, 18.02.1875, 22.06.1875, 21.10.1875, 16.11.1875, 26.11.1875, 18.12.1875
2 Kölnische Zeitung, Ausgabe vom 11. November 1875 (Bericht über den Prozess gegen Philipp Overlack und Karl Glänz)