Unternehmensgeschichte der Brauerei Carl Beckmann / Brauerei Beckmann AG in Solingen

 

Die Ursprünge der Brauerei Carl Beckmann
Die Brauerei von Johann Wilhelm Beckmann in der Schützenstraße im Jahr 1860 gegründet [5].
Die Braustätte in der Schützenstraße selbst existierte aber bereits vor der Übernahme durch Mitglieder der Familie Beckmann und soll bereits im Jahr 1753 gegründet worden sein. Dieses Jahr 1753 wurde auch gerne auf Werbemitteln wie Bierdeckeln oder Flaschenetiketten als Gründungsjahr der Brauerei Beckmann aufgeführt.
Bereits im Jahr 1862 soll die an der Schützenstraße gelegene und schon damals von einem Mitglied der Familie Beckmann geführte Brauerei in Dorp einen Felsenkeller in Form eines Stollens zur Kühlung des Biers gegraben haben. Zusätzlich wurden zur Kühlung im Winter Eisblöcke aus dem Morsbachteich bei Grunenburg geschlagen und in den Felsenkeller verbracht. Die Brauerei richtete hier auch einen Gastronomiebetrieb ein, der den Namen „Felsenkeller“ erhielt. Der Stollen samt Gastronomiebetrieb wurde bald auch als eigenständige Ortslage in der damaligen Bürgermeisterei Dorp geführt, die im Jahre 1856 das Stadtrecht erhalten hatte. Die Bürgermeisterei beziehungsweise Stadt Dorp wurde nach Beschluss der Dorper Stadtverordneten zum 1. Januar 1889 mit der Stadt Solingen vereinigt
Die nächsten Nachweise gibt es erst im Jahr 1880. In diesem Jahr übernahm Carl Beckmann, vermutlich ein Sohn von Johann Wilhelm Beckmann, die Brauerei und firmierte sie in „Brauerei Carl Beckmann" um. Kurz danach trat auch sein Bruder Hugo Beckmann als zweiter Gesellschafter in die Brauerei ein.
[4] „…Elberfeld, Bekanntmachung. In das Firmenregister ist auf Grund Anmeldung von heute eingetragen worden: unter Nr. 2986 die Firma "Carl Beckmann" mit dem Sitze zu Dorp bei Solingen, deren Inhaber der daselbst wohnende Bierbrauereibesitzer Carl Beckmann ist. Elberfeld den 1. April 1880. Königliches Amtsgericht…“
[4] „…Elberfeld. Auf Grund der Anmeldung vom heutigen Tage ist in das Handelsregister eingetragen worden unter Nr. 1815 des Gesellschaftsregisters: in das mit dem Sitze zu Dorp bei Solingen bestehende Geschäft unter der Firma: Carl Beckmann, welches unter Nr. 2986 des Firmenregisters eingetragen und dessen Inhaber der ebendaselbst wohnende Bierbrauer Carl Beckmann ist, - ist der zu Dorp bei Solingen wohnende Bierbrauerei Hugo Beckmann am 1. Februar cur. als Gesellschafter eingetreten. Jeder der Vorgenannten ist berechtigt, die Gesellschaft zu vertreten und die Firma zu zeichnen. Elberfeld, den 23. April 1880…“
Bereits im Jahr 1884 schied Carl Beckmann wieder aus der Firma aus, sein Name in der Brauereibezeichnung wurde aber weitergeführt. Seine Stelle nahm mit Otto Beckmann ein weiteres Familienmitglied ein.
[4] „…Elberfeld. Bekanntmachung. Bei Nr. 1815 des Gesellschaftsregisters - Firma "Carl Beckmann zu Dorp bei Solingen" ist heute eingetragen worden: Der Bierbrauer Carl Beckmann zu Dorp bei Solingen ist aus der Handelsgesellschaft ausgeschieden. Der Maschinenfabrikant Otto Beckmann daselbst ist am 13. März 1884 als Handelsgesellschafter eingetreten. Elberfeld, den 29. März…“
Im Jahr 1895 gab die Brauerei eine Hypotheken-Anleihe heraus, die Höhe ist leider nicht bekannt. 1898 übernahm dann Hugo Beckmann alleine die Geschäfte der Brauerei. Verbunden war dies mit einer Auflösung der Firma Carl Beckmann und anschließender Neugründung.
[4] „…Solingen. In unser Handelsregister ist Folgendes eingetragen worden: I. Bei Nr. 138 des Gesellschaftsregisters: - Firma Carl Beckmann zu Solingen - Die Gesellschaft ist durch gegenseitige Uebereinkunft aufgelöst. Der Hugo Beckmann, Bierbrauereibesitzer zu Solingen, setzt das Handelsgeschäft unter unveränderter Firma fort. Vergl. Nr. 892 des Firmenregisters. II. Bei Nr. 892 des Firmenregisters: Die Firma Carl Beckmann mit dem Sitze zu Solingen und als deren Inhaber der Bierbrauereibesitzer Hugo Beckmann daselbst. Solingen, den 28. Januar 1898…“
(F004) [1]
Pferdefuhrwerk der Brauerei Beckmann, Alter unklar
(PK002)
Postkarte aus dem Jahr 1902.
Auf der Detailvergrößerung rechts
ist zu sehen, dass das Fass von der
Brauerei Beckmann stammt
(unbekannte Sammlung)
(PK002D)
"Brauerei Beckmann" 
(F006) [2]
Foto des "Hotel Bayrischer Hof" und dem daneben liegenden, im Jahr 1896 erbauten und 2.000 Personen fassende Kaisersaal, vermutlich um 1910. Beide Objekte gehörten der Brauerei Carl Beckmann und wurden im zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört.
 
(F007) [2]
Entwurfszeichnung des Kaisersaals
(F008) [2]
Entwurfszeichnung des Kaisersaals 
 
(F017) [7]
Foto des Hotel Bayrischer Hof aus dem Jahr 1907
 
(W002)
Werbung aus dem Jahr 1910. Hier wirbt die Brauerei Beckmann mit Bier aus der Aktien-Brauerei Ohigs und Bier aus der Paulaner-Brauerei aus München. Was ist mit dem Bier aus der eigenen Brauerei? Vermutlich wurde zu dieser Zeit nicht selber produziert.
(unbekannte Sammlung 
 
 
(WZ002)
Warenzeichen der Brauerei Carl Beckmann, eingetragen am 13. Januar 1910. Nicht für Solingen, sondern für das Zweiggeschäft "Elberfelder Bierquelle" in Elberfeld
(WZ001)
Warenzeichen "DU" (Hintergrund unklar) der Brauerei Carl Beckmann, eingetragen am 7. März 1916 
                                                                  

Die Gründung der Aktienbrauerei in Ohligs
Im Jahr 1898 gründete die Brauerei Carl Beckmann die Aktienbrauerei Ohligs . Zwar stammten nur 2 der insgesamt 38 Gründer aus der Familie Beckmann, dennoch zeigt die Besetzung von Vorstand und Aufsichtsrat, wer hier das Sagen hatte. Der Vorstand bestand aus Hugo Beckmann und Eduard Sonnenschein, Aufsichtsratsvorsitzender war Friedrich Wilhelm Beckmann. Vermutlich besaß die Familie Beckmann zu diesem Zeitpunkt alleine nicht genug Kapital, die Familie Beckmann verankerte im Statut der Aktienbrauerei aber eine Klausel, die ihr das Rückkaufrecht sicherte. Die Brauerei Carl Beckmann garantierte den Aktionären für die ersten 10 Jahr eine jährliche Dividende von 6% (die Garantie wurde sogar im Jahr 1908 bis 1919 verlängert). Erkauft wurde diese Garantie durch ein „Aktienrückkaufrecht auf Verlangen“. In einem Bericht aus dem Jahr 1912 wird dies wie folgt dargestellt:
[6] „…Die Firma C. Beckmann in Solingen hat für die ersten 10 Jahre den Aktionären 6% Div. garantiert, verlängert 1908 bis 1919; diese Garantie brauchte bis 1908 nicht in Anspruch genommen zu werden; erst für 1908/09 war ein Zuschuss von M. 10 955 erforderlich. Sofern die Firma Beckmann ihre Brauerei in Solingen in eine Akt.-Ges. umwandeln sollte, ist die Aktienbrauerei u. sind ihre Aktionäre verpflichtet, sämtliche Aktien der Aktienbrauerei Ohligs zum Kurse von 115% auf Verlangen zu verkaufen…“.
   
(A001)
Gründeraktie aus dem Jahr 1899
(unbekannte Sammlung) 
                                                                                      

Die Gründung der Brauerei Beckmann Aktiengesellschaft
Am 27. Juni 1907 wurde Carl Leonhard und Carl Schnellenbach Gesamtprokura bei der Firma Carl Beckmann erteilt. Die ist insofern relevant, als dass diese einen Monat später als Gründer der neuen Aktiengesellschaft mit auftauchen. Diese wurde am 27. Juli 1907 als „Brauerei Beckmann Aktiengesellschaft“ gegründet und gibt einige Rätsel auf. Das niedrige Grundkapital von nur 100.000 Mark lässt schon darauf schließen, dass die Gesellschaft keine eigene Brauerei besaß, sondern nur als Handelsgesellschaft auftrat. Dies ist auch einem späteren Zusatz einer Bilanz zu entnehmen:
[4] „…Wir bemerken, daß es sich bei unserer Firma vorläufig nur um eine Verwaltungsgesellschaft, nicht aber um den Betrieb der Brauerei Carl Beckmann in Solingen handelt…“
Das „vorläufig“ ist nicht ganz ernst zu nehmen, da diese Aussage aus dem Jahr 1929 stammt, also 22 Jahre nach der Gründung der Aktiengesellschaft. Im Gründungsbericht ist zwar auch als ein Zweck der Erwerb der Brauerei Carl Beckmann genannt, beide Firmen existierten aber parallel weiter. Weiter merkwürdig ist die Tatsache, dass bei den 5 Gründern, welche alle Aktien übernahmen, kein Mitglied der Familie Beckmann auftaucht. Das sie dennoch das Sagen hatten zeigt sich aber darin, dass Hans Beckmann den Vorstand übernahm und 2 der 3 Aufsichtsratsmitglieder ebenfalls aus der Familie Beckmann stammten. Weiter waren unter den Gründer 2 Prokuristen der Brauerei Carl Beckmann vertreten.
[4] „…Solingen. Eintragung in das Handelsregister Abt. B. Nr. 53: Brauerei Beckmann, Aktiengesellschaft in Solingen. Gegenstand des Unternehmens: Errichtung, Erwerb, Pachtung, Verpachtung und Betrieb von Brauereien nebst Mälzereien und Eiserzeugung sowie sonstigen Nebenbetrieben, insbesondere auch Erwerb der unter der Firma Carl Beckmann in Solingen betriebenen Brauerei. Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt Einhunderttausend Mark und zerfällt in 100 auf den Inhaber lautende Aktien von je 1.000 Mark. Gründer der Gesellschaft sind: 1) Heinrich Niemöller, Prokurist zu Solingen, 2) Carl Schnellenbach, Kaufmann zu Solingen, 3) Carl Leonhardt, Kaufmann zu Solingen, 4) Carl Julius Hindrichs, Kaufmann zu Solingen, 5) Adolf Bongert, Kaufmann zu Solingen. Dieselben haben sämtliche Aktien übernommen. Vorstand der Gesellschaft ist Doktor juris Hans Beckmann zu Ohligs. Dem Heinrich Niemöller zu Solingen ist Prokura erteilt. Den Aufsichtsrat bilden: a. Geheimer Kommerzienrat Friedrich Wilhelm Beckmann zu Solingen, b. Fabrikbesitzer Eduart Wüsthof daselbst, c. Bierbrauereibesitzer Hugo Beckmann daselbst. Von den mit der Anmeldung der Gesellschaft eingereichten Schriftstücken, insbesondere von dem Prüfungsbericht es Vorstands und der Mitglieder des Aufsichtsrats über die Prüfung des Hergangs der Gründung, kann bei dem Gericht Einsicht genommen werden. Der Gesellschaftsvertrag ist am 27. Juli 1907 festgestellt worden. Solingen, den 7. August 1907. Königliches Amtsgericht. VI. …“
Das die Brauerei Beckmann Aktiengesellschaft selbst keine Brauerei, sondern nur eine Handelsgesellschaft, zeigt sich auch gut in der ersten Bilanz. Der Saldo, also der eigentliche Wert der Gesellschaft, betrug nur 147.021 Mark, der Umsatz nur 22.390 Mark. Immerhin war hier der Umsatz auch gleich dem Gewinn, also war die Handelsgesellschaft wenigstens, wenn auch in kleinen Dimensionen, profitabel. Immobilien wurden in Höhe von 79.592 Mark ausgewiesen.
Bis zum Jahr 1913 steigt der Saldo bis auf 640.906 Mark, langsam nimmt die „Handelsgesellschaft“ fahrt auf. Der Immobilienbesitz ist auf 279.568 Mark angewachsen und die Außenstände / vergebenen Kredite betragen 335.906 Mark. Der Gewinn ist auf 43.391 Mark angewachsen.
Parallel existierte die Brauerei Carl Beckmann weiter. Vermutlich wurden schon in dieser Zeit Bier im Rahmen von Lohnbrauaufträgen für die Vereinsbrauerei Höhscheid produziert. Wo und wie viel, d.h. in der Ohligser Aktienbrauerei und in der Brauerei Carl Beckmann, ist aber unklar.
In [6] aus dem Jahr 1914 ist als Geschäftszweck der Brauerei Beckmann AG zu lesen:
„…Zweck: Errichtung, Erwerb, Pachtung, Verpachtung und Betrieb von Brauereien nebst Mälzereien und Eiserzeugung sowie sonstigen Nebenbetrieben, insbesondere auch Erwerb der unter der Firma Carl Beckmann in Solingen betriebenen Brauerei (noch nicht geschehen)…“
D.h. die Brauerei Carl Beckmann war immer noch als separate Firma eigenständig (zumindest formal). In [6] aus dem Jahr 1915 wird explizit klargestellt, dass es sich bei der Brauerei Beckmann AG zu dieser Zeit um eine reine Handelsgesellschaft handelte:
„…Die Ges. unterhält noch keinen Brauereibetrieb, sondern die Ges. befasst sich lediglich mit Ankauf von Immobil, u. Vermietung derselben…“
Es kann angenommen werden, dass die Brauerei Beckmann AG primär Gaststätten an Pächter verpachtete, welche dann Bier aus der Brauerei Carl Beckmann ausschenkten und diesen Pächtern auch Kredite gewährte (Geschäftsjahr 1914/15, Immobilienbesitz: 279 567 Mark, vergebene Kredite: 335 498 Mark).

Die Übernahme der Vereinsbrauerei Höhscheid
Die Familie Beckmann erwarb in den 1910er Jahren immer mehr Aktien der Höhscheider Vereinsbrauerei, bis sie im Jahr 1917 die Majorität hatte und die Brauerei quasi in einem Handstreich übernahm. Der Brauereibetrieb der Höhscheider Vereinsbrauerei wurde dauerhaft eingestellt und ein grundsätzlicher Lohnbrauvertrag mit der Brauerei Beckmann abgeschlossen. Weiter wurde der Vorstand und der komplette Aufsichtsrat ausgetauscht und mit Familienmitgliedern oder bereits in der Brauerei Beckmann tätigen Personen besetzt.
[24/03.10.1917] „…Solingen. Zusammenlegung von Brauereien. Die Brauerei Beckmann von hier hat den größten Teil der Aktien der Höhscheider Brauerei in ihren Besitz gebracht und beabsichtigt sämtliche Aktien anzukaufen. Die Höhscheider Brauerei wird den Braubetrieb einstellen, weil ihr keine Rohstoffe mehr geliefert werden. So ist in diesem Falle aus der vom Kriegsernährungsamt beabsichtigten zeitweisen Kontingentierung der Bierherstellung eine dauernde geworden...“
[4/19.11.1917] „…Solingen. Eintragungen in das Handelsregister. Abt. B Nr. 4: Firma Vereins-Brauerei Höhscheid in Höhscheid: Der Brauereidirektor Dr. Hans Beckmann in Solingen ist zum Vorstandsmitgliede bestellt…“
[4/27.11.1917] „…Bilanz. In der Generalversammlung v. 23. November 1917 wurde dem Aufsichtsrat und Vorstand Entlastung erteilt. Es schieden folgende Mitglieder des Aufsichtsrats aus: Kommerzienrat Richard Berger, Haus Hackhausen, Kaufmann August Neef, Höhscheid, Kaufmann Otto Kirschbaum, Cöln, Kaufmann Hugo Schäfer, Höhscheid, Fabrikant Adolf Heuser, Solingen, Bürgermeister a.D. Louis Gläßner, Cöln. Wiedergewählt wurden: Brauereibesitzer Hugo Beckmann, Solingen, Architekt Willy Maus, Solingen, Brauereidirektor Louis Kirschmann, Haag (Holland), Prokurist Heinrich Niemüller, Solingen, Prokurist Rich. Wietcher, Ohligs…“
 
(BK001)
Ausschnitt eines Briefkopfs aus dem Jahr 1904. Bis 1904 hieß die "Vereinsbrauerei Höhscheid" noch "Solingen-Dortmunder Vereinsbrauerei"
(unbekannte Sammlung 
(FV003) [14]
Foto des Hauptgebäudes der Vereinsbrauerei Höhscheid aus dem Jahr 2012
 
 

Die Zeit zwischen erstem und zweitem Weltkrieg
Insgesamt überstand die Brauerei Beckmann die Kriegsjahre gut wobei der Saldo im Geschäftsjahr 1918/19 auf 1.126.761 Mark stieg und ein Gewinn von 96.975 Mark ausgewiesen wurde.
Im Geschäftsbericht des Solinger Gewerkschaftshauses für das Jahr 1917 kommt die Brauerei Beckmann allerdings nicht gut weg. Es wird ihr vorgeworfen das Bier stark zu verteuern und somit selbst für den Rückgang des Bierkonsums verantwortlich zu sein:
[25] „“…Das Solinger Gewerkschaftshaus im vierten Kriegsjahre. Am Samstagabend tagte im Gewerkschaftshause die Generalversammlung der „Genossenschaft Gewerkschaftshaus“, um den Bericht des Vorstandes über das abgelaufene Geschäftsjahr entgegenzunehmen und über die weitere Entwicklung des Unternehmens zu beraten … Die fortwährenden Preissteigerungen für alle Produkte, die im Wirtschaftsbetrieb benötigt werden, machten einen wiederholten Preisaufschlag für Speisen und Getränke notwendig, doch blieben sie in einem Rahmen, daß sie immer noch erheblich niedriger waren als die, welche die Privatwirtschaften erheben. Der Bierlieferant, die Brauerei Beckmann, hat gerade in dieser kritischen Zeit dem Gewerkschaftshause gegenüber wenig Entgegenkommen gezeigt. Nicht nur die Preisaufschläge folgten kurz hintereinander, sondern auch die Qualität des Bieres ließ manchmal sehr zu wünschen übrig. Nunmehr hat die Brauerei, die bisher das Eis frei lieferte, auch diese Kosten auf die Wirte abgewälzt, so daß wiederum eine indirekte Verteuerung des Bieres festzustellen ist. Die Aussichten für die Zukunft sind nicht sehr erfreulich, denn es wird beabsichtigt, die Biersteuer auf 20 Mark für den Hektoliter zu erhöhen. Die Folge wird ein weiterer Rückgang des Bierkonsums sein, der schon jetzt sehr erheblich ist. Im Jahre 1913 verbrauchte das Gewerkschaftshaus rund 1600 und im Jahre 1917 nur 780 Hektoliter Bier. Es muß das Bestreben der organisierten Arbeiterschaft sein, das Unternehmen von der Abhängigkeit der Brauerei freizumachen…“
In den Folgejahren sank der Saldo wieder bis auf 634.974 Mark im Geschäftsjahr 1922/23, allerdings konnte der Gewinn kontinuierlich gesteigert werden. Im Geschäftsjahr 1921/22 betrug der Gewinn bei einem Saldo von 712.006 Mark stolze 131.995 Mark. Im Geschäftsjahr 1922/23 betrug er dann sogar 537.435.274.906 Mark, was aber nur der grassierenden Hyper-Inflation geschuldet war. Wie alle anderen Aktiengesellschaften auch stellte die Brauerei Beckmann AG ihr Grundkapital Ende des Jahres 1924 von 100.000 Mark auf 100.000 Reichsmark um.
Im Jahr 1930 nahm die Brauerei eine Anleihe in Höhe von sage und schreibe 3.000.000 Reichsmark in 6%igen Anleihen auf. Der Hintergrund hierfür ist allerdings unklar, vielleicht lag es daran, dass die Außenstände durch vergebene Kredite mittlerweile über 2 Millionen Reichsmark betrugen. Zu Beginn konnten aber nur Knapp die Hälfte der Obligationen auf den Markt gebracht werden, es gab nicht genug Interessenten.
In den Geschäftsberichten dieser Jahre wurde noch einmal explizit ausgeführt, dass es sich bei der Brauerei Beckmann AG nur um eine Verwaltungsgesellschaft und nicht um den Betrieb der parallel existierenden Brauerei Carl Beckmann handelte. Der Sitz beider Brauereien war aber allerdings der Gleiche, Schützenstraße 39-43.
Mittlerweile wurden auch Bekanntmachungen der Brauerei Beckmann AG und der Vereinsbrauerei Solingen gemeinsam bekannt gegeben, es scheint keine getrennte Verwaltung mehr gegeben zu haben. Z.B.:
[4/28.03.1935] „…Bei den Firmen Brauerei Beckmann, Aktiengesellschaft, Solingen, H.-R. B 53, und Vereinsbrauerei, Aktiengesellschaft, Solingen, H.-R. B 4 am 14.3.1935: Dem Kaufmann Hermann Karrenberg in Solingen ist derart Gesamtprokura erteilt, daß er in Gemeinschaft mit einem anderen Prokuristen die Aktiengesellschaft vertreten kann…“
Bereits seit dem Geschäftsjahr 1925/26 erwirtschaftete die Brauerei Beckmann AG durchgehend Verluste. Waren es im genannten Geschäftsjahr noch 88.818 Reichsmark Verlust, so stieg dieser bis auf 333.323 Reichsmark im Geschäftsjahr 1933/34 an [26].
Die aufgetretenen Verluste wurden jeweils von der Brauerei Carl Beckmann ausgeglichen, der es anscheinend blendend ging. Im Jahr 1934 werden leider keine Geschäftszahlen genannt, aber immerhin folgende interessante Fakten [26]:
„..Karl Beckmann, Brauerei, Solingen, Schützenstraße 39-43… Inhaber: Hugo Beckmann. Prokuristen: F. Reick, A. Bongert, A. Maus. Braumeister: Josef Lischka. Betrieb: Sudhausanlage für 54 Ztr. Schüttung mit Dampfkochung, 4 Eismaschinen, Flaschenreinigungsanlage, 2 Dampfmaschinen, elektrischer Antrieb, Hefetrockenanlage; 25 Lastautos, 6 Gespanne. Produktion: Untergäriges Bier, ferner Nebenprodukte, wie Eis, Treber, Kohlensäure. Grundbesitz: 23.600 qm. Angestellte u. Arbeiter: 165…“
Beeindruckende Zahlen, 165 Mitarbeiter und 25 Lastwagen. Mittlerweile wurde Carl mit „K“ geschrieben.
Vermutlich im Jahr 1940 wurden dann endlich die Brauerei Carl Beckmann und die Brauerei Beckmann Aktiengesellschaft vereinigt. In der Bilanz aus dem Geschäftsjahr 1940/41 werden folgende Zahlen genannt: Das Aktienkapital stieg auf 1.500.000 Reichsmark, der Saldo verdoppelte sich auf 6.048.463 Reichsmark, der Umsatz stieg um ca. 2.000.000 Reichsmark auf 2.330.380 Reichsmark und es wurde ein Gewinn von 91.387 Reichsmark ausgewiesen. Ferner ein Bankguthaben von 707.544 Reichsmark und ein Wertpapierbesitz im Wert von 1.439.263 Reichsmark. Dem gegenüber Schulden von 912.049 Reichsmark und die Anleihe aus dem Jahr 1930 in Höhe von 3.000.000 Reichsmark, von der allerdings Obligationen in Höhe von 604.000 Reichsmark immer noch nicht an den Markt gebracht werden konnten.
Rechnet man den Umsatz auf die ungefähre Bierproduktion hoch, so kann von einer jährlichen Produktion von ca. 60.000 - 70.000 hl ausgegangen werden.
Der zweite Weltkrieg brachte starke Einschnitte mit sich. Die repräsentativen Gebäude an der Schützenstraße (u.a. der Eingangsbereich mit Torbogen) wurden völlig zerstört, die eigentlichen Brauanlagen blieben aber weitestgehend intakt. Hinzu kamen noch Rohstoff- und Arbeitermangel und der fehlenden Absatzmarkt. Während des Krieges wurden noch Dividenden in Höhe von 6% ausgeschüttet, ab dem Geschäftsjahr 1944/45 aber nicht mehr und es wurden Verluste ausgewiesen. Die Bilanz für das Geschäftsjahr 1948/49 zeigt aber wieder in die richtige Richtung [6]. Hier wurden zwar noch satte 706.969 Mark Verlust ausgewiesen, dieser stammte aber aus dem Verlustvortrag in Höhe von 840.440 aus dem katastrophalen Vorjahr. Ohne diese Verlustvortrag hätte ein Gewinn in Höhe von 133.471 Mark ausgewiesen werden können.
(F005( [1]
Foto des Kölner Hof in Solingen, vermutlich aus den 1940er Jahren. Zu erkennen sind die Werbeschilder für Bier der Brauerei Beckmann
(W001)
Werbung der Brauerei Beckmann A.G., vermutlich aus den 1930/40er Jahren 
(F014) [7]
Foto des Eingangsbereichs der Brauerei in der Schützenstraße aus dem Jahr 1936. Auch gut auf der links nebenstehenden Grafik zu erkennen. Dieser Gebäudeteil wurde bei Bombenangriffen im zweiten Weltkrieg völlig zerstört und nicht mehr aufgebaut
 
 
(BK001)
Briefkopf der Brauerei aus dem Jahr 1937
(BK003)
Briefkopf der Brauerei aus dem Jahr 1939 
 

Die Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg bis zur Stilllegung.
Über die Nachkriegsjahre ist wenig bekannt, vermutlich verliefen diese relativ unspektakulär. Produziert wurde, wie damals üblich, eine breite Palette an Biersorten, darunter mittlerweile auch obergärige Biere. Im Angebot waren u.a. Edel-Pils, Bergisch Alt, Solinger Export, Edel-Bock und Malz-Vollbier.
In [19] steht zu lesen, dass der Braubetrieb in der Schützenstraße in den 1960er Jahren eingestellt wurde. Gesichert ist das nicht, aber wahrscheinlich. Vermutlich wurde die Brauerei in der Schützenstraße nur noch zur Abfüllung und / oder Lagerung genutzt und die Brautätigkeit in die Aktienbrauerei Ohligs verlagert.
Im Jahr 1972 fusionierte die Brauerei Beckmann AG mit der Aktienbrauerei in Ohligs und ein Jahr später erfolgte die Umfirmierung in Aktien-Brauerei Beckmann AG. Die Brauerei in Solingen Ohligs in der Kottenburger Straße wurde umgeflaggt, der große Schriftzug "Aktien-Brauerei-Ohligs" wurde durch "Brauerei Beckmann" ersetzt (siehe FD001/F003).
In den 1980er Jahren wurde zur Auslastung der Braukapazität Bier in nicht unerheblichen Mengen für verschiedene Bierverlage gebraut, u.a. für die Rheinland Getränke aus Düsseldorf (Marke: Heinrich), den Getränkevertrieb Herzog aus Hilden (Marke: Herzog), Inter Getränke GmbH aus Viersen (Marke: Königsburger) und der GEFAGRO GmbH aus Essen (Marke: Rösser). Auf den jeweiligen Etiketten ist meist nur „hergestellt und abgefüllt in einer Westdeutschen Brauerei“ und kein direkter Bezug zu Beckmann zu lesen.
Die Aktien-Brauerei Beckmann AG konnte den billiger produzierenden Brau-Riesen aus Dortmund und Wuppertal aber immer weniger entgegensetzen. Diese Kostenstruktur und vermutlich auch anstehende Modernisierungen führten zu einer Stilllegung der Brauerei Beckmann in der Schützenstraße im Jahr 1989. Nur zwei Jahre später wurde auch der Braubetrieb in der Braustätte in Ohligs endgültig eingestellt und die Firma in „Beckmann Beteiligungs-AG“ umfirmiert.
Im Jahr 1996 wurde der Sitz der Firma nach Düsseldorf verlegt. Die Firma besaß Beteiligungen an ca. 10 Autohäusern in Bielefeld, Oberhausen, Duisburg, Ansbach, Gera sowie in Frankreich. Weiterer Geschäftszweck war die Vermietung von Einzelhandels-Immobilien. In den 2000er Jahren übernahmen Mitglieder der Familie Cloppenburg, bekannt durch die Textilhandelsdynastie Peek & Cloppenburg, die Mehrheit der Aktien. Um 2010 wurde die Gesellschaft in die „Cloppenburg Automobil SE“ überführt, welche Stand 2021 ca. 20 BMW-Autohäuser in ganz Deutschland betreibt. Parallel dazu entstand noch die „S.A. Beckmann France, Chennevieres sur Marne“, die in Frankreich neun Autohäuser betreibt und deren Firmenbezeichnung noch der Name Beckmann auftaucht.
Immerhin sind die Gebäude beider Brauereien noch in Teilen erhalten. Auf dem Brauereigelände in der Schützenstraße steht heute Senioren-Wohnheims des Malteserstift St. Antonius, von der Brauerei ist nur noch ein kleiner Teil enthalten (siehe F013). Die Brauereigebäude in Ohligs in der Kottendorfer Straße sind noch gut erhalten und wurden nach der Stilllegung verschieden genutzt. Am bekanntesten ist wohl die überregional bekannte Discothek Getaway, die dort von 1991 bis 2018 beheimatet war. Aktuell (2021) sind in dem Gebäude überwiegend Wohnungen untergebracht.
(F018) [3]
Blick in die Fassabfüllung der Brauerei Beckmann im Jahr 1953
(F018) [3]
Lagerfässer der Brauerei Beckmann im Jahr 1953 
(F018) [3]
Blick in das Sudhaus der Brauerei Beckmann im Jahr 1953 
 
(F021) [3]
Produktpalette aus dem Jahr 1953, Edel-Pils, Spezial-Export (siehe E071) und Edel-Bock-Hell (siehe E073)
 
(F016) [8]
Foto eines Teils des Innenhofes der Brauerei, vermutlich aus den 1970er Jahren
(W003)
Produktpalette aus den 1970er Jahren, Bergisch-Urhell, Ohligser Pils und Bergisch Alt
(F009) [9]
Foto des Innenhofs und Nebengebäuden aus dem Jahr 2006
 
(F003) [11]
Foto der ehemaligen Aktienbrauerei Ohligs in der Kottendorfer Straße, seit der Vereinigung im Jahre 1972 mit Beflaggung "Aktien-Brauerei Ohligs". Noch gut zu erkennen der graue Bereich unterhalb des Beckmann-Schriftzugs, wo früher "Aktien-Brauerei-Ohligs" stand.
 
(FD001) [13]
Foto der Aktienbrauerei Ohligs aus den 1960er Jahren, hier noch mit Beflaggung "Aktien-Brauerei-Ohligs"
(F014D) [7]
Foto des Eingangsbereichs der Brauerei in der Schützenstraße aus dem Jahr 1936.
 
(L001)
Ausschnitt aus dem Briefkopf BK001 aus dem Jahr 1937. Nur der rechte Gebäudeteil ist heute noch erhalten (siehe Bild F009D rechts). Allerdings verwendet der Briefkopf eine alte Grafik, den das Gebäude rechts wurde im Jahr 1927 umgebaut. Die 4 kleinen Ecktürmchen wurden entfernt und das flache Dach durch ein Mansardenflachdach ersetzt (siehe F009D rechts) und somit ein weiteres Stockwerk gewonnen. Der Eingangsbereich links (siehe F014D links) wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.
 
(F009D) [9]
Foto des noch erhaltenen Gebäudes aus dem Jahr 2006
 
(F013) [27]
Foto der Abrissarbeiten aus dem Jahr 2013.
(F015) [12]
Blick von der Schützenstraße auf einen Teil der heruntergekommenen Nebengebäude der Brauerei (um 2010)

Firmierungen der Brauerei Carl Beckmann  [4,5]
Zeitraum Firmierung Anmerkung
1860 – 1880 Brauerei Johann Beckmann Braustätte bestand seit 1753, Gründung ggf. schon 1859 [1933, 1939]
1880 – 1940 Brauerei Carl Beckmann 1940 fusioniert mit der Brauerei Beckmann AG. Firma wurde unter diesem Namen fortgeführt
 
Firmierungen der Brauerei Beckmann Aktiengesellschaft  [4,5]
Zeitraum Firmierung Anmerkung
1907 – 1973 Brauerei Beckmann Aktiengesellschaft Im Jahr 1940 unter Beibehaltung des Namens mit der Brauerei Carl Beckmann fusioniert.
Im Jahr 1972 mit der Aktienbrauerei Ohilgs unter Beibehaltung des Namens fusioniert.
1973 – 1991 Aktien-Brauerei Beckmann AG Braustätte in Ohligs im Jahr 1991 geschlossen.
Braustätte an der Schützenstraße im Jahr 1989 geschlossen.
1991 – 2010 Beckmann Beteiligungs AG Im Jahr 2010 überführt in Cloppenburg Automobil SE
 
 
Anmerkungen
» [4] Die Brauerei Carl Beckmann war auch erfinderisch tätig. Bereits am 17. März 1884 reichte sie unter der Nummer LVIII.B.4723 ein Patent für eine Filterpresse ein. Im Jahr 1886 folgte unter Nummer XLVII. B. 5943 ein „Umhüllungsrohr bei Kolbenstangendichtungen für Compressoren, namentlich Ammoniakpumpen“. Zwei Jahre später folgte noch unter Nummer VI. B. 8174 ein „Verfahren zur Klärung des Bieres auf dem Lagerfasse ohne Späne“.
» [4,23] Im Jahr 1895 schrieb die Brauerei Carl Beckmann einen Architektenwettbewerb für einen Konzertsaal in Remscheid aus.
„…Bauten. Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Konzertsaal in Solingen schreibt nach dem "Centralbl. D. Bauv." die Brauerei von Karl Beckmann daselbst aus. An Preisen stehen zusammen 1.900 Mark zur Vertheilung an die Verfasser der drei besten Arbeiten zur Verfügung. Im Preisgericht sitzen der Architekt G. Brüning in Remscheid, der Architekt R. Kapfer in Elberfeld, der Stadt-Baurath a.D. Bües, der Musik-Direktor Frz. Leu in Köln und der obengenannte Bauherr. Die Entwürfe müssen bis zum 15. April an den letzteren eingereicht werden, der auch die Bedingungen kostenlos versendet…“
Der Saal wurde auch gebaut und im Jahr 1896 eingeweiht. Bis zu seiner Zerstörung im zweiten Weltkrieg fanden hier neben Konzerten auch politische Tagungen statt
» [22] Solingen. Schädlicher Sammeleifer. Der Vorstand der Vereinigung der Bierverleger und Brauereien des Solinger Bezirks hat an die Leiter unserer Schulen dieses Schreiben gerichtet: ,,Am Donnerstag dieser Woche soll hier eine Gummi- Sammlung durch Schulkinder veranstaltet werden. Die hiesigen Brauereien und Bierverleger sind selbstverständlich keine Gegner dieser Veranstaltung, werden sie vielmehr nach Kräften unterstützen. An die verehrlichten Herren Schulleiter möchten wir aber doch eine Bitte richten. Es ist in letzter Zeit häufig vorgekommen, daß Schulkinder in ihrer Sammelfreudigkeit die Gummiringe von den Patentverschlüssen der Bierflaschen entfernt ,,gesammelt’’ und an die Sammelstellen abgeliefert haben. Die Bierverleger und Brauereien haben infolgedessen Hunderte von Flaschen ohne Gummiringe zurückbekommen, was für sie, abgesehen von dem Schaden, den sie erleiden, um so empfindlicher ist, als sie neue Gummiringe heute nicht mehr bekommen. Die Schulleiter mögen deshalb die Kinder dringend auffordern, die Gummiringe an den Flaschen zu lassen.
» [21] Im Jahr 1844 wurde ein Teil der Dorper Schule als Bürgermeisterbüro gemietet. Nach einer Reihe weiterer Standorte befand sich das Büro ab 1853 zur Miete in einem Haus im 1. Feld. Zum Ende der Amtszeit des langjährigen Bürgermeisters Robert Stosberg konnte im Jahr 1879 keine Einigung mit dem Vermieter über die weitere Anmietung erzielt werden. In die Diskussionen der Stadtverordneten über einen Rathausneubau brachte der Bierbrauer Carl Beckmann den Vorschlag ein, dass er ein Haus bauen lassen würde und dieses der Stadt Dorp für 750 Mark jährlich als Rathaus vermieten könnte. Im Oktober 1879 wurde der Vertrag geschlossen, der die Anmietung für zunächst vier Jahre vorsah mit der Option, das Haus 1884 für 6.000 Mark zu kaufen. An der Schützenstraße 39 neben der Brauerei Beckmann wurde ein zweistöckiges Fachwerkhaus mit Schieferverkleidung errichtet. Im Erdgeschoss befanden sich die Büros, die Stadtkasse und der Sitzungssaal, während die Bürgermeisterwohnung im Obergeschoss untergebracht wurde. 1880 konnte der neue Bürgermeister Ludwig Baecker das Rathaus beziehen. Beckmann machte ab 1880 mehrere Kaufangebote an die Stadt, die alle abgelehnt wurden, da sich das Haus als zu klein erwies.
» [15] Im Jahr 1886 klagte die Mährische Gersten- und Malzfabrik unter der Firma W. Ungelter & Karger gegen die Provinzial-Steuer Direktion zu Köln. Beim Rechtsstreit ging es um die Erhöhung des Eingangszolls für Malz. Dies ist insofern interessant, da Mengen und Preise genannt werden, denn der Abnehmer des Malzes war die Firma Carl Beckmann. Die hatte einen Vertrag über die Lieferung von „…10 Waggons zu je 10000 Kilo mährisches Malz zum Preise von 29,60 Mark à 100 Kilo zollfrei Bahnhof Solingen“ abgeschlossen. Der Lieferungen fanden Waggonweise zwischen Januar und Juni 1885 statt…“. Während dieser Lieferphase war der Zoll von 1 Mark pro 100 Kilo Malz auf 2,40 Mark erhöht worden und diese Differenz wollte der Malzlieferant nicht zahlen (was er aber musste, den die Klage wurde abgewiesen). Aus den Zahlen lässt sich abschätzen, dass die Brauerei jährlich über 100 Tonnen Malz zur Biererzeugung verbraucht hat.
» [16] Die Familie Beckmann engagierte sich auch in sozialen Belangen, wie der folgende Bericht aus dem Jahr 1917 zeigt: „…Solingen. Eine neue Stiftung. Zum Andenken des im Kriege gebliebenen Sohnes Max Beckmann überweisen dessen Eltern folgende Beträge: Dem Vaterländischen Frauenverein Solingen 10 000 Mark, bestimmt zur Unterstützung Solinger Kriegerfamilien, besonders von Kindern gefallener Krieger. Der evangelischen Kirchengemeinde Solingen 10 000 Mark zum Fonds zur Erbauung einer Kriegergedächtnishalle zu Krahenhöhe. Der „Hugo-Beckmann-Stiftung“ 10 000 Mark zur Unterstützung kranker Arbeiter der Brauerei Beckmann…“
» [17, 18] In Solingen wurde im Jahr 1905 die Beckmannstraße gebaut. Vermutlich aus logistischen Gründen notwendig durchschnitt die parallel zur Schützenstraße angelegte, ca. 900 Meter lange Straße das Brauereigelände. Natürlich gab es hier auch Ärger. Im Jahr 1925 klage Hugo Beckmann gegen die Stadtgemeinde Solingen zwecks Übernahme der Kosten für Kleinpflaster für die Beckmannstraße zwischen Bismark- und Scharnhorststraße, also dem Bereich, der direkt durch das Brauereigelände führte. Die Klage wurde aber abgewiesen und Hugo Beckmann hatte die Kosten zu tragen.
» [19] Der noch erhaltene Brauturm (Hauptgebäude) inklusive einiger Nebengebäude in der Schützenstraße wurde im Jahr 2010 als schutzwürdig bewertet und zum Denkmal erklärt.
» [20] In Preußen war natürlich alles geregelt, so auch die Vergabe von Amtszeichen, Ketten und Medaillen. Dem am 25. Mai 1903 gewählt Solinger Oberbürgermeister August Dicke stand laut Regularien damit zu, eine goldene Amtskette zu tragen. Woher aber nehmen? An dieser Stelle sprangen 6 Solinger Bürger ein, darunter auch Fritz und Hugo Beckmann, und finanzierten eine repräsentative Kette. Lange existierte die Kette aber nicht, da sie im ersten Weltkrieg von der staatlichen Goldankaufstelle gemäß dem Motto „Gold gab ich für Eisen“ einkassiert und zur Finanzierung des Krieges verwendet wurde.
» In den 1980er Jahren gab es kurzzeitig die Bergische Brauerei Cooperationsgesellschaft Wuppertal mbH & Co. KG. Dieser gehörten ausser der Brauerei Beckmann AG und der Aktienbrauerei Ohligs noch die Bremme Brauerei aus Wuppertal an (siehe Etikett E044)
 

Gläser und Krüge
 
(G001)
Glaskrug mit geätzter Schrift / Grafik, 6/20 L geeicht
 

                                                                                                     
(GK002)
Glaskrug mit Lithografie, 10/20 L geeicht
 
(GK001)
Glaskrug mit Lithografie, 10/20 L geeicht
 
 
(KS002)
Kölschstange mit "obergärig wie Kölsch". Dagegen hatte der Kölner Brauerei-Verband etwas und die Brauerei Beckmann musste die Nennung von Kölsch unterlassen.
 
(KS001)
Wenn schon Kölsch nicht mehr erlaubt war, dann doch wenigstens die Nennung des typischen Kölner Brauhaus-Kellners, des "Köbes"
             
 
(K001)
Geritzter Krug mit Fronteichung "1/2 L"
(K002)
(unbekannte Sammlung)

 

                                                                              

Bierdeckel
(D032)
 
(D006) (D034)
 
(D007)
 
(D035) (D024)  
 
(D005) (D015) (D016) (D017)
Nennung von "Brauerei Beckmann AG" und "Aktien-Brauerei Ohligs" auf dem selben Etikett 
 
(D019)                            
   
(D004) (D020)
Nennung von "Brauerei Beckmann AG" und "Aktien-Brauerei Ohligs" auf dem selben Etikett
 
 (D021)  (D041)                                                                               
                                                       
(D039) (D040) (D023) (D033)    
   
(D001) (D008) (D038)
mit 1ter Strophe des Bergischen Heimatliedes
(D027) (D031) (D003) (D025) (D010)    
(D011) (D026) (D009) (D012)
Kein Rauch zu sehen
(D028)
Rauch aus dem Schornstein
(D037)
mit 1ter Strophe des Bergischen Heimatliedes 
(D036)
mit 1ter Strophe des Bergischen Heimatliedes 
       
(D014) (D002) (D013)                                                                                                                                                                        

Etiketten
(E060)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E062)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E063)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E060)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E060)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E054) (E055) (E056) (E057)
(E047)
 
(E068)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E046)
 
(E058)
 
(E069)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E059) (E067)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E050)
Typ: Düssel
 
(E051) (E052)
(E071)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E072)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E073)
(Sammlung Mittenzwey)
 
(E053)
 
(E040) (E041)
(E036)
Nennung von "Brauerei Beckmann AG" und "Aktien-Brauerei Ohligs" auf dem selben Etikett
 
(E037)
Nennung von "Brauerei Beckmann AG" und "Aktien-Brauerei Ohligs" auf dem selben Etikett 
(E006)
(E005)
Nennung von "Brauerei Beckmann AG" und "Aktien-Brauerei Ohligs" auf dem selben Etikett 
 
(E065)
(Sammlung Mittenzwey)
(E001)
Die Nennung "wie Kölsch" zog Ärger mit dem Kölner Brauerei-Verband mit sich und musste unterlassen werden
 

Neuere Etiketten (als Thumbnail, größere Ansicht durch anklicken)
 
           
 
      (E007)
Nennung von "Brauerei Beckmann AG" und "Aktien-Brauerei Ohligs" auf dem selben Etikett 
 
 
            (019)
 
 
(E011) (E012)
1989-91, gibt es auch in 0,5 l (E013)
(E014) (E012)
1989-91, gibt es auch in 0,5 l (E014)
(E017) (E012)
1989-91
(022) (E020)
1989-91, gibt es auch in 0,5 l (E021) 
     
(E008)       (E044)
Berg. Brauerei Cooperationsges. Wuppertal mbH & Co. KG
Brauereien Bremme, Beckmann und Aktienbrauerei Ohligs
 
                                                                                                 
(EH001)
Lohnsud für Rheinland Getränke, Düsseldorf
(EH002) (EH006) (EH003)
1989-91
(EH004) (E005)
1989-91
(EK001)
Lohnsud für Inter Getränke, Viersen
(EK002)
   
(ER001)
Lohnsud für Gefagro GmbH, Essen
(ER002) (ER003) (ER004) (ER005) (ER006)                                                                      
       
(EH001)
Lohnsud für Getränkeverlag Herzog GmbH, Hilden
(EH002)
1989-91
(EH004) (EH003)
1989-91
                                                                                                                                            

Flaschen
(147) (282) (075) (283) (187)
"1/2 Ltr."
grüne Variante von 282
 
"1/2 Ltr."
bernsteinfarbige Variante von 147
ca. 0,4l
grüne Variante von 283
ca. 0,4l
bersteinfarbige Variante von 075
"0,5l"
   
(007) (006) (084)    
"1/2 Ltr." "1/2 Ltr." ca. 0,8 l    
 
 
 
 
 
 
Quellen
1 www.solingen-internet.de, Ilse Weber
2 www.solingen-internet.de/si-hgw/theater.htm
3 Das Bergische Land und seine Industrie, Verlag M. Dumont Schauberg, Köln, 1953
4 "Deutscher Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger", Berlin, Ausgaben 02.04.1880, 28.04.1880, 17.03.1884, 02.04.1884, 11.02.1886, 23.02.1888, 25.02.1895, 01.02.1898, 19.03.1907, 04.07.1907, 28.08.1907, 06.02.1909, 13.03.1909, 07.03.1911, 09.03.1911, 14.08.1911, 13.02.1912, 10.03.1913, 19.02.1914, 03.10.1917, 20.12.1917, 08.04.1918, 08.04.1918, 05.03.1920, 02.12.1921, 11.03.1922, 31.01.1925, 11.02.1926, 23.02.1927, 17.01.1930, 07.10.1930, 27.01.1932, 05.02.1934, 14.03.1935, 28.03.1935, 05.03.1936, 01.02.1937, 16.02.1938, 22.02.1939, 04.02.1942, 13.09.1944
5 "Brauerei-Verzeichnis Deutschland", Michael Gorytzka, Manfred Friedrich, herausgegeben von der Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern e.V. (FvB), Ausgabe November 2009
6 Handbuch der Deutschen Aktien-Gesellschaften, Verlag für Bördsen- und Finanzliteratur A.-G. (ab 1933: Verlag für rechts- und Wirtschaftsliteratur), Ausgaben 1911/12, 1912/13, 1913/14, 1914/15, 1915/16, 1916/17, 1917/18, 1918/19, 1919/20, 1923/24, 1930, 1933, 1949
7 „Alt-Solingen und Dorp“, Axel Birkenbeul, Sutton Verlag, 2018
8 https://www.solinger-tageblatt.de/solingen/solingen-heute-suchen-haus-12247041.html
9 https://www.lipinski.de/beckmann/index.php
10 http://www.koehlerphotoart.de/
11 https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Brauerei_Beckmann_Solingen-Ohligs.jpg
12 https://blog.tetti.de/de/content/noch-ein-hightlight-der-stadtentwicklung?page=3
13 https://ohligser-jongens.de/ohligs-historisch/
14 https://www.solinger-tageblatt.de/solingen/solingen-heute-suchen-sportliches-freiluftereignis-13583295.html
15 Archiv für das Civil- und Criminal-Recht der Königl. Preuß. Rheinprovinz. Herausgegeben von Mitgliedern des Oberlandesgerichts zu Köln. Siebenzigster Band. Köln am Rhein, Druck und Bering von Peter Schmitz. 1887.
16 Bergische Arbeiterstimme vom 20. Dezember 1917
17 Stadtarchiv Solingen, S, 6478
18 http://www.solingen-internet.de/si-hgw/ortsstrassennamen.htm
19 Stadt Solingen, Beschlussvorlage 832, Denkmalliste der Stadt Solingen, Schützenstraße 39-43 (ehem. Brauerei Beckmann), 22.09.2010
20 https://www.solinger-tageblatt.de/solingen/honoratioren-sponserten-amtskette-stadtchefs-8133457.html
21 https://www.wikiwand.com/de/Rathaus_Dorp
22 https://archivewk1.hypotheses.org/tag/brauereien
23 http://www.solingen-internet.de/si-hgw/theater.htm
24 Bergische Arbeiterstimme vom 3. Oktober 1917
25 Bergische Arbeiterstimme vom 8. April 1918
26 Die Deutschen Brauereien, Firmenjahrbuch des Deutschen Brauer-Bundes, Verlag für Rechts- und Wirtschaftsliteratur A.-G., Berlin u. Leipzig, 1934
27 https://blog.tetti.de/de/category/nodetags/brauerei-beckmann